Eigentlich wollte Iron Mike mit seinen Peptid-Labortests etwas schaffen, das diesem Markt notorisch fehlt: Transparenz. Proben besorgen, ins Labor schicken, Ergebnisse veröffentlichen, fertig. Dass ausgerechnet daraus jetzt eine kleine Schnitzeljagd durch Vergleichsportale, Affiliate-Hinweise, Telegram-Posts und offenbar vorab kursierende Laborberichte geworden ist, da macht sich dieser Artikel doch ganz wie von alleine.
Vorweg muss man zwei Dinge klar auseinanderhalten. Es gibt Dinge, die kann man beweisen, und es gibt Dinge, die wirken sehr wahrscheinlich, und manchmal gibt es auch Interpretationen, die zu weit gehen. Für eine Manipulation der Laboranalysen selbst habe ich keine belastbaren Belege gefunden. Und auch dafür, dass Mike mit Avellon Peptides eine geheime Kooperation oder abgesprochene Kampagne gefahren hätte, gibt es nach dem derzeit öffentlich nachvollziehbaren Stand keinen Beweis. Die interessantere Frage beginnt allerdings auch erst eine Stufe später: Wer wusste wann von den Ergebnissen, wer hatte Zugriff auf die Berichte – und wie unabhängig wirkt das Netzwerk, das anschließend aus diesen Tests Rankings, Empfehlungen und Reichweite gebaut hat?
Mike will keine Shops mehr empfehlen – und zeigt dann auf ein Ranking
Nach der Kontroverse um seine Tests erklärte Mike, dass er künftig keine direkten Empfehlungen für Peptidmarken oder deren Präparate mehr aussprechen möchte und außerdem auch keinen Kooperationspartner aus diesem Bereich mehr haben will. Das ist zunächst eine ziemlich klare Linie. Im selben Themenkomplex verwies er allerdings auf PeptidCheck24 und erklärte sinngemäß, dort kristallisiere sich heraus, welcher Hersteller insgesamt am besten abschneide.
Formal ist das tatsächlich etwas anderes als „Kauft bei Anbieter X“. Praktisch ist der Weg trotzdem angenehm überschaubar. Wer PeptidCheck24 aufruft, bekommt keinen neutralen grauen Datenfriedhof, sondern einen sehr eindeutigen Sieger präsentiert: Avellon Peptides, 96 von 100 Punkten, 25 Punkte Vorsprung auf Platz zwei und „Top-Empfehlung Mai 2026“. Der Link zu Avellon ist als Affiliate-Link gekennzeichnet.
Das allein ist natürlich kein Beleg dafür, dass Mike Avellon absichtlich bewerben wollte. Es macht seinen Verweis auf die Seite aber relevanter, als wenn dort fünf Anbieter ungefähr gleichauf lägen. Wer sagt, er wolle selbst keine konkrete Shop-Empfehlung mehr geben und schickt sein Publikum stattdessen zu einem Portal mit einem übergroßen Platz-eins-Schild, hat die Empfehlung, könnte man sagen, zumindest sehr effizient ausgelagert.
Der Fairness halber sei hier ein Detail erwähnt, das gegen die einfachste Verschwörungserzählung spricht: Avellon war auf PeptidCheck24 offenbar bereits im Mai 2026 die Nummer eins – also Wochen vor Mikes großem Labortest Ende Juli. Mike hat Avellon über dieses Portal damit nicht erst nachträglich zum Sieger gemacht. Die merkwürdige Frage ist eher, warum ausgerechnet dieselbe junge Marke auf einem von Mike erwähnten Portal schon vorher mit großem Abstand vorne lag und anschließend auch in dem von ihm veranlassten Laborauftrag sehr gut abschnitt.
PeptidCheck24 erklärt seine eigene Methodik gleich auf zwei Arten
PeptidCheck24 bezeichnet sich als unabhängige Vergleichsplattform. Die Seite bewertet Anbieter nach sechs gewichteten Kategorien, darunter Lab-Transparenz, Chargenpublikation, Compliance, Herkunft, Kundenschutz und Preis-Leistung. Außerdem erklärt sie offen, sich über Affiliate-Provisionen ausgewählter Anbieter zu finanzieren; laut eigener Darstellung soll der Affiliate-Status aber natürlich keinen Einfluss auf den Score haben.
Affiliate-Finanzierung macht ein Vergleichsportal nicht automatisch unseriös. Wer Rankings veröffentlicht und gleichzeitig Provisionen verdient, sollte seine Methodik allerdings so eindeutig erklären, dass man dafür keine forensische Textanalyse des Footers braucht. Genau da hat PeptidCheck24 ein Problem.
Auf der Startseite steht weiterhin sinngemäß, man kaufe anonym ein, schicke Vials ins Labor und veröffentliche die Ergebnisse. Im Footer findet sich dieselbe Selbstdarstellung. Die ausführliche Methodik sagt dagegen ausdrücklich: PeptidCheck24 sei kein Labor und führe aktuell keine eigenen Tests durch. Bewertet würden öffentlich abrufbare COAs und andere Signale der Anbieter; eigene Stichprobentests seien erst für später geplant. Auf einer Rechner-Unterseite findet sich wiederum die Aussage, man kaufe anonym ein und teste bei zwei namentlich genannten Laboren.
Das ist kein kleiner Formulierungsunterschied. Entweder werden derzeit eigene Proben gekauft und getestet oder eben nicht. Ein Portal, das andere Anbieter nach Transparenz und Laborqualität benotet, sollte bei der eigenen Testpraxis nicht ausgerechnet zwei verschiedene Geschichten erzählen.
Auch Mikes Beschreibung der Seite als Ort mit vielen „Bewertungen und Diskussionen“ passt nur bedingt zu dem, was aktuell sichtbar ist. PeptidCheck24 präsentiert sich vor allem als redaktionelles Vergleichs- und Rankingportal mit Anbieterprofilen, Labordokumenten, Wiki und Rechnern. Eine erkennbare Community-Diskussionsplattform konnten wir dort allerdings nicht finden.
Dann taucht Robin auf – angeblich mit Mikes Tests zwei Wochen vor Veröffentlichung
Der stärkste Punkt der ganzen Geschichte kommt nicht von einer Domain-Abfrage und auch nicht aus irgendeinem Telegram-Detektivspiel. Er kommt aus einem Clip, der im Recherchevideo von Boris Karsten gezeigt wird. Hier der Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=WaJgFo37OGE
Darin sagt der Biohacking-Influencer Robin: „Ich hatte diese Tests tatsächlich schon zwei Wochen, bevor das Video von Iron Mike veröffentlicht wurde.“ Er spricht außerdem davon, die Unterlagen über „interne Quellen“ bekommen zu haben.
Mike begründet an anderer Stelle gerade damit, die Ergebnisse nicht vorab an Hersteller gegeben zu haben, dass diese sonst Zeit bekommen hätten, die Glaubwürdigkeit der Tests anzugreifen. Gleichzeitig erklärt Robin, er habe genau diese Unterlagen schon rund zwei Wochen früher besessen.
Irgendwo wäre die Informationssperre dann also durchbrochen worden. Durch Mike selbst? Möglich wären genauso eine Person aus seinem Umfeld, das Labor, ein getesteter Anbieter oder ein anderer Dritter mit Zugriff auf die Unterlagen. Wer den Leak verursacht hat, lässt sich aus den bisher vorliegenden Informationen nicht mit Sicherheit sagen.
Bemerkenswert ist eher, wo die Unterlagen offenbar landeten. Robin ist eine Person, die Avellon beworben beziehungsweise mit Avellon-bezogenen Links oder Codes gearbeitet hat. Auch hier gibt es wieder eine konkrete kommerzielle Verbindung. Umso mehr ist die Frage nach dem Informationsfluss zum frühen Besitz der Tests ein Punkt, der eine Antwort verdient.
Europa Peptides macht die Zeitlinie noch schiefer
Besonders suspekt wird der zeitliche Ablauf beim Ergebnis von Europa Peptides. Mike erklärte in seinem Folgevideo laut Transkript, Zuschauer hätten ihn darauf hingewiesen, dass Europa Peptides im Ranking fehle. Bei der anschließenden Prüfung sei ihm aufgefallen, dass im getesteten Retatrutid-Produkt die deklarierte Substanz nicht nachweisbar gewesen sei.
Robin thematisierte dieses Ergebnis laut dem Recherchevideo bereits am 1. August und zeigte dabei den entsprechenden Test. Gleichzeitig behauptete er, die Berichte schon etwa zwei Wochen vor Mikes Veröffentlichung erhalten zu haben. Mike selbst machte den Europa-Peptides-Befund erst später zum Thema.
Daraus folgt noch keine Täuschung. Ein Ergebnis kann in einem großen Laborauftrag schlicht übersehen, falsch einsortiert oder zunächst nicht in ein Ranking übernommen worden sein. Es bleibt aber eine ungewöhnliche Situation: Eine externe Person verfügt nach eigener Aussage sehr früh über eines der brisantesten Ergebnisse aus Mikes Testserie, während Mike öffentlich erklärt, auf genau diesen fehlenden Fall erst durch seine Zuschauer aufmerksam geworden zu sein.
Peptidvergleich.de hat offenbar denselben Laborauftrag – und legt einen Interessenkonflikt offen
Parallel zu PeptidCheck24 existiert mit peptidvergleich.de ein zweites Portal, das ebenfalls Avellon auf Platz eins setzt. Dort wird es besonders interessant, weil die Website konkrete Prüfnummern veröffentlicht. Der Vergleich nennt unter anderem Bericht 195806 für Avellon und 195814 für Europa Peptides. Beide sollen zum selben Prüfauftrag mit der Auftragsnummer 80748 gehören; die Proben seien am 19. Juni 2026 eingegangen und zwischen Ende Juni und 10. Juli analysiert worden.
Für Europa Peptides gibt die Seite bei Prüfbericht 195814 an, dass kein gängiges GLP-1-Peptid nachweisbar gewesen sei. Avellons Probe 195806 wird mit 21,95 mg bei deklarierten 20 mg und 99,726 Prozent Reinheit geführt. Avellon landet im Ranking mit 4,7 von 5 Sternen auf Platz eins. Der öffentlich sichtbare Stand des Vergleichs ist auf den 30. Juli 2026 datiert.
Das ist zeitlich auffällig, reicht aber noch nicht für die Behauptung, peptidvergleich.de habe Mikes Ergebnisse nachweislich vor seinem Video veröffentlicht. Ein anderer Punkt ist dagegen glasklar auf der Seite zu lesen: Peptidvergleich erklärt selbst, die Betreiberin sei wirtschaftlich mit einem der im Vergleich aufgeführten Anbieter verbunden. Im Impressum wird die PPVG LLC aus Sheridan, Wyoming, als Betreiberin genannt. Welcher der gelisteten Anbieter wirtschaftlich verbunden ist, sagt das Portal dort nicht. Gleichzeitig verlinkt die Seite ihren Testsieger Avellon und bewirbt für ihn einen 10-Prozent-Code.
Eine manipulierte Rangliste lässt sich daraus nicht ableiten; die zugrunde gelegten Laborwerte und Kriterien werden relativ ausführlich offengelegt. Aber wenn ein Vergleichsportal selbst einräumt, mit einem Teilnehmer seines eigenen Rankings wirtschaftlich verbunden zu sein, wäre die Information, mit welchem, für Leser ungefähr so nebensächlich wie der Name des Gegners bei einem Boxkampf.
Daniel Leudel spricht über Avellon wie über ein eigenes Projekt – im Register steht jemand anderes
Daniel Leudel wird öffentlich teilweise als „Chef von Avellon“ bezeichnet. Im polnischen Unternehmensregister wird die Avellon Peptides Sp. z o.o. seit Januar 2026 geführt. Als Präsident des Vorstands und wirtschaftlich Berechtigter erscheint René-André Steinsdorfer; Daniel Leudel ist weder als Geschäftsführer, noch als Gesellschafter oder wirtschaftlich Berechtigter aufgeführt.
Das heißt allerdings nicht, dass Daniel mit dem Projekt nichts zu tun hat. Ein Video zeigt ihn mit Formulierungen, die deutlich persönlicher klingen als eine beiläufige Markenempfehlung. Er spricht davon, mit einem Partner eine Marktlücke gesehen zu haben, daraus „das Ganze“ gemacht zu haben, vom aktuellen Stand „bei Avellon“ und davon, dass „wir“ offiziell im Mai gestartet seien. Außerdem erwartet er weiteres Wachstum durch steigende Bekanntheit und erwähnt dabei auch „ein Video von Mike“. Diese Wortwahl legt zweifelsohne nahe, dass er sich öffentlich als eng in das Projekt eingebunden präsentiert. Und das ist für die folgende Episode relevant.
Daniel hat bereits vor Mikes Veröffentlichung in Telegram über die kommenden Videos gesprochen. Vor dem ersten Video sei von Mikes Video „über Avellon“ die Rede gewesen; vor einem späteren Video habe ein „Vögelchen“ verraten, dass es noch am selben Abend oder am nächsten Tag erscheine.
Mikes ursprünglicher Beitrag war ein Multi-Shop-Test. Warum jemand aus dem engen Avellon-Umfeld schon vorher von einem Video „über Avellon“ spricht, wäre ziemlich leicht zu erklären, wenn er lediglich wusste, dass Avellon getestet wurde und gut abgeschnitten hatte. Die Frage, die sich dabei stellt, ist dann nur, woher dieses Wissen kam.
Der Biolab-Fall spricht übrigens gegen die simpelste Manipulationsgeschichte
Wer nun aus all dem sofort „Mikes Tests waren gekauft“ schlussfolgert, der macht es sich zu leicht und überspringt einen ziemlich wichtigen Gegenpunkt. Mike hat lange Zeit mit Biolab zusammengearbeitet. Ausgerechnet Biolab schnitt in dem späteren Laborauftrag extrem schlecht ab; auf peptidvergleich.de werden für die Probe 15,05 statt der deklarierten 10 mg sowie der höchste Endotoxinwert im Feld ausgewiesen. Das passt denkbar schlecht zur Vorstellung eines komplett vorprogrammierten Tests, bei dem nur Freunde gewinnen und alte Partner geschont werden. Es würde sogar erklären, warum Mike nach der Sache keine direkten Shop-Empfehlungen mehr aussprechen will. Genau deshalb sollte die Kritik präzise bleiben.
Mein Problem mit dieser Geschichte ist weniger das Labor als die Kommunikationskette drumherum. Ein Influencer sagt, er habe Mikes Berichte zwei Wochen zu früh. Ein Avellon-nah auftretender Akteur scheint vorab über Videos informiert gewesen zu sein. Ein von Mike genanntes Vergleichsportal finanziert sich über Affiliate-Provisionen und widerspricht sich bei der Frage, ob es selbst testet. Ein zweites Portal veröffentlicht offenbar denselben Laborauftrag, setzt ebenfalls Avellon auf Platz eins und erklärt gleichzeitig, wirtschaftlich mit einem der bewerteten Anbieter verbunden zu sein, ohne diesen Anbieter zu benennen.
Für einen Markt, in dem fast alles über Vertrauen läuft, ist das erstaunlich viel Nebel rund um ein Projekt, das eigentlich Transparenz schaffen sollte.
Belastbar ist: PeptidCheck24 führt Avellon bereits seit Mai 2026 deutlich auf Platz eins, nutzt Affiliate-Links und macht auf verschiedenen Seiten widersprüchliche Angaben dazu, ob eigene Proben anonym eingekauft und getestet werden. Peptidvergleich zeigt Laborberichte aus Auftrag 80748, führt Avellon ebenfalls als Testsieger und legt eine wirtschaftliche Verbindung seiner Betreiberin zu einem nicht näher benannten Teilnehmer des Rankings offen. Im polnischen Register ist René-André Steinsdorfer als Präsident des Avellon-Vorstands und wirtschaftlich Berechtigter dokumentiert, nicht Daniel Leudel.
Nicht belastbar belegt ist dagegen, dass Mike die Laborergebnisse selbst an Robin weitergegeben hat, dass Avellon Einfluss auf die Laboranalyse nahm oder dass Mike und Avellon eine geheime Kooperation unterhielten. Auch der genaue Erstveröffentlichungszeitpunkt der Laborberichte auf peptidvergleich.de ließ sich nicht so sicher rekonstruieren, dass daraus ein Vorab-Leak bewiesen wäre.
Was übrig bleibt, ist trotzdem fragwürdig: Wenn Robins Aussage über den zweiwöchigen Vorabzugang stimmt, zirkulierten Mikes nicht veröffentlichte Testergebnisse offenbar außerhalb seines Kanals. Wer sie weitergegeben hat, ist offen.
Wer die grundsätzlichen Probleme des aktuellen Peptidmarktes einordnen möchte, findet sie in unserem Artikel „Peptide im Trend 2026: Warum der aktuelle Hype kritisch hinterfragt werden sollte“. Die damaligen Laborergebnisse rund um Biolab haben wir außerdem separat in „Biolab unter Druck: Was hinter der aktuellen Peptid-Kontroverse steckt“ aufgearbeitet.