Wir befinden uns drei Wochen vor dem Mr. Olympia 2026, dem wichtigsten Event im Bodybuilding und noch immer überschlagen sich die Ereignisse bei der Classic Physique, vielleicht sogar der populärsten aller Klassen aktuell. Von der Top 10 des Vorjahres werden wir leider dieses Mal auf einige verzichten müssen. Das ist deswegen relevant, weil mit Jose Manuel Muñoz, Matheus Menegate, Michael Daboul und Justin Badurina vier Namen aus den Plätzen vier bis neun von 2025 einfach nicht dabei sein werden.
Für den guten Mike klingt das zunächst nach einer ausgesprochen angenehmen Entwicklung. Mike Sommerfeld war letztes Jahr bereits Vize-Mister Olympia und mit dem zweiten Platz war er näher am Titel als jeder andere Athlet hinter Ramon Dino. Wenn die Konkurrenz nun ausgedünnt wurde und mehrere Athleten nicht dabei sein werden, die im Vorjahr noch direkt hinter ihm oder zumindest im First-Callout-Bereich lagen, wird sein Weg in die Top 3 dieses Jahr ein Spaziergang – könnte man meinen.
Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Sommerfelds eigentliche Aufgaben haben sich nämlich kaum verändert: Er muss Ramon schlagen. Es stimmt durchaus: Im Feld dahinter sind einige Plätze frei geworden. Die Spitze bleibt aber weiterhin stark genug, sodass aus einer guten Ausgangslage noch lange kein sicherer Titel wird. Außerdem hat Mike seinen Auftritt in der Öffentlichkeit auch weiterhin nicht so gut im Griff, wie er es sollte. Auch das kann ihm übel in die Karten spielen.
Warum fehlen so viele große Namen aus 2025
Die offizielle Ergebnisliste des Mr. Olympia 2025 zeigt hinter dem Sieger Ramon Dino und dem zweitplatzierten Mike Sommerfeld, Terrence Ruffin auf Rang drei und Jose Manuel Muñoz auf Rang vier. Es folgten Niall Darwen, Diego Galindo, Matheus Menegate, Michael Daboul, Justin Badurina und Matthew Greggo. Vier dieser Namen spielen für den Olympia 2026 nach aktuellem Stand allerdings keine reguläre Rolle mehr im Rennen um die Classic-Physique-Platzierungen.
Tabelle: Vier Top-10-Athleten fehlen beim Olympia
Die Ausgangslage hinter Mike Sommerfelds Chancen
| Athlet | Olympia 2025 | Situation 2026 |
|---|---|---|
| Jose Manuel Muñoz | 4. | Wechsel ins Open Bodybuilding |
| Matheus Menegate | 7. | Saisonende angekündigt; in aktueller IFBB-Liste allerdings weiterhin geführt |
| Michael Daboul | 8. | Nicht auf der aktuellen offiziellen Teilnehmerliste |
| Justin Badurina | 9. | Olympia-Qualifikation über das Punktesystem verpasst |
Bei Josema ist die Sache am eindeutigsten. Der Spanier hat bereits im Frühjahr seinen Wechsel von der Classic-Physique ins Open-Bodybuilding bekannt gegeben. Das Gewichtslimit der Classic-Physique war für ihn zunehmend zum Problem geworden. Damit verschwindet nicht einfach ein Athlet, sondern ausgerechnet der Mann, der 2025 direkt hinter Ruffin platziert war.
Justin Badurina wiederum scheiterte an der sportlichen Qualifikation. Die IFBB führte ihn zum Ende des Qualifikationszeitraums mit zehn Punkten. Für die Olympia-Qualifikation reichte es einfach nicht. Deshalb taucht er auch nicht in der offiziellen Teilnehmerliste für Las Vegas auf.
Michael Daboul befindet sich in einer ähnlichen, aber doch etwas anderen Situation. Der Olympia-Achte von 2025 sammelte in dieser Saison noch Punkte und gewann unter anderem den Huanji Harbin China Pro, schaffte es aber nicht in die finale offizielle Olympia-Teilnehmerliste. Bei FitPedia hatten wir zuletzt über seinen Auftritt beim Austrian Oak und die anschließende Diskussion mit den Judges berichtet. Für den Olympia 2026 ist er aktuell nicht als Starter geführt.
Und dann ist da Matheus Menegate – der mit Abstand komplizierteste Fall der vier. Der Brasilianer hatte Ende Juli öffentlich angekündigt, seine Saison zu beenden und in die Offseason zu gehen. CNN Brasil berichtete ausdrücklich, dass Menegate damit nicht beim Olympia 2026 antreten werde. Gleichzeitig steht sein Name allerdings in der von der IFBB am 3. September, also gestern, aktualisierten Teilnehmerliste noch immer unter den Classic-Physique-Startern.
Nach eigener Aussage der IFBB wird diese Liste angepasst, sobald qualifizierte Athleten mitteilen, dass sie nicht antreten werden. Wir können also bisher nur festhalten: Menegate hat sein Saisonende öffentlich angekündigt, sein Name ist in der aktuellen offiziellen Liste aber noch nicht entfernt worden. Es ist also unklar, ob aus seinem öffentlichen Statement auch eine offizielle Absage wird.

Josema ist wohl der wichtigste Ausfall für Mike
Auch wenn es sich bei allen vier Athleten um absolute Spitzensportler handelt, ist für Sommerfeld der spannendste Name aber Josema. Badurina war 2025 Neunter, Daboul Achter und Menegate Siebter. Natürlich können alle drei Athleten an einem guten Tag Plätze verschieben, Callouts verändern und den Wettkampf für sich entscheiden. Einer der gefährlichsten Kontrahenten ist mit Josema allerdings weggefallen.
Der Spanier stand 2025 als Vierter bereits unmittelbar hinter der Top 3. Für Mike könnte er deswegen so gefährlich sein, weil er nicht erst fünf oder sechs Plätze aufholen müsste, um plötzlich in die Titelentscheidung hineinzurutschen. Ein Kandidat dieser Größenordnung fällt 2026 komplett aus dem Classic-Feld heraus.
Das kann Mike vor allem dabei helfen, seine Position zu sichern. Sollte er nicht ganz die Form des Vorjahres treffen, ist ein direkter Konkurrent um einen Platz im vorderen First Callout weniger mit auf der Bühne. Für den Titel selbst ist das allerdings weniger entscheidend. Ramon Dino steht weiterhin auf der Liste. Terrence Ruffin ebenfalls. Und beide haben 2025 gezeigt, dass sie auf Olympia-Niveau unmittelbar mit Mike auf einem Level sind.
Wesley Vissers ist ebenfalls wieder mit von der Partie
Wer aus den vier Ausfällen ableitet, dass die Classic Physique 2026 insgesamt schwächer besetzt sei, übersieht einen ziemlich großen Niederländer. Wesley Vissers spielte beim Olympia 2025 mit Platz 16 zwar keine Rolle in der Spitze. Seine Saison 2026 sagt uns für dieses Jahr aber etwas komplett anderes. Im März gewann er die Classic Physique beim Arnold Classic in Ohio. Dort fehlte Sommerfeld nach Problemen beim Gewichtmachen. Drei Wochen später kam es beim Arnold Classic UK zum direkten Duell – und diesmal gewann Sommerfeld vor Vissers.
Diese beiden Shows sind für die Olympia-Prognose dieses Jahr in meinen Augen deutlich interessanter als irgendeine theoretische Verschiebung von Platz sieben auf Platz fünf. Vissers hat 2026 bewiesen, dass seine Form wieder für große Titel reicht. Sommerfeld hat wiederum gezeigt, dass er ihn in einem direkten Vergleich schlagen kann. Das macht die Lage für mich ziemlich klar und auch relativ leicht einzuordnen: Die Abwesenheit mehrerer Vorjahres-Top-10-Athleten erhöht zwar Mike Sommerfelds Wahrscheinlichkeit, erneut sehr weit vorne zu landen. Sie beseitigt aber nicht die Athleten, die ihm den Titel wirklich streitig machen können.
Mikes Problem ist nicht die sportliche Leistung
2025 war das vielleicht noch die spannendere Geschichte: Kann Mike Sommerfeld den nächsten Schritt machen und tatsächlich um den Olympia-Titel kämpfen? Nach seiner Platzierung im letzten Jahr muss man diese Frage allerdings wirklich nicht mehr stellen.
Er gehört zur absoluten Spitze dieser Klasse. Das wird auch dadurch unterstrichen, dass der langjährige Olympia-Judge Steve Weinberger Sommerfeld in einer öffentlichen Einschätzung im Sommer als größten Herausforderer für Ramon Dino bezeichnete. Interessant war dabei vor allem der Fokus auf den Rücken von Ramon. Genau dort sah Weinberger einen Bereich, der für die Titelverteidigung verbessert werden müsse. Sommerfeld bringt zusätzlich einen wichtigen Vorteil aus dieser Saison mit: Er hat nach dem verpassten Gewichtslimit beim Arnold Classic in Ohio nicht einfach eine verkorkste Frühjahrssaison abgehakt, sondern wenige Wochen später beim Arnold Classic UK gewonnen. Und zwar vor Wesley Vissers, der gerade den Arnold in den USA gewonnen hatte. Das ist zumindest ein ziemlich brauchbares Signal dafür, dass Sommerfeld auch unter Druck schnell wieder ein verdammt starkes Paket auf die Bühne bringen kann.
Natürlich sagt ein Sieg im März nicht voraus, wie die Judges im September entscheiden. Bodybuilding bleibt ein Tagesgeschäft aus Form, Kondition, Präsentation und direkten Vergleichen. Aber Sommerfeld geht dieses Mal nicht als Hoffnungsträger nach Las Vegas. Er geht als amtierender Olympia-Zweiter und als einer der Männer, an denen sich der Rest des Feldes messen lassen muss.
So sehr Mike auf der Bühne glänzt, so sehr scheint er in der Öffentlichkeit von einem Fettnäpfchen ins nächste zu stolpern. Obwohl vor allem die deutschen Fans ja schon länger eine gewisse Antipathie ihm gegenüber haben, schafft er es immer wieder, noch eine Schippe draufzulegen. Zuletzt gelang ihm das mit einem sehr unvorteilhaften Kommentar unter einem seiner Beiträge. Wir hoffen, dass er auch an dieser Front noch nachlegt. Vielleicht ist ein PR-Berater gut investiertes Geld.
Wird der Weg zum Titel wirklich leichter?
In gewisser Hinsicht: ja.
Vier Männer aus der Top 10 des Vorjahres nicht im regulären Rennen zu haben, verändert die Tiefe des Feldes. Vor allem Josemas Wechsel nimmt einen Athleten aus dem Spiel, der 2025 bereits auf Platz vier stand. Dahinter werden sich zwangsläufig neue Namen in die Top 10 und vermutlich auch in die vorderen Callouts schieben. Für Mike Sommerfeld liegt der eigentliche Vorteil aber weniger darin, dass plötzlich vier Stufen auf dem Weg nach oben verschwunden wären. Er stand schon auf Stufe 2. Sein Problem ist die eine letzte Stufe darüber.
Ramon Dino bleibt der Titelverteidiger und Terrence Ruffin bleibt ein etablierter Topathlet. Wesley Vissers kommt mit einer deutlich stärkeren Saison als 2025 und Niall Darwen und Diego Galindo standen bereits im vergangenen Jahr in den Top 6. Die Classic-Physique wird also nicht plötzlich zur Spazierfahrt, nur weil vier bekannte Namen fehlen. Was sich verändert hat, ist Sommerfelds Sicherheitsnetz. Die Zahl der Athleten, die ihn bei einem nicht perfekten Auftritt sofort mehrere Plätze nach hinten drücken könnten, ist kleiner geworden. Gleichzeitig ist sein sportlicher Status höher als vor einem Jahr. Wenn er seine beste Form bringt, muss 2026 niemand mehr darüber diskutieren, ob er überhaupt in den First Callout gehört. Es geht nur noch um die Frage, ob er Ramon schlagen kann.
