Beitragsbild zum Artikel: BroSep warnt vor Peptiden und PEDs bei Jugendlichen: Ist die Fitnessszene wirklich falsch abgebogen?
Szene unfiltered

BroSep warnt vor Peptiden und PEDs bei Jugendlichen: Ist die Fitnessszene wirklich falsch abgebogen?

BroSep warnt vor Peptiden, Steroiden und PED-Normalisierung bei Jugendlichen. Was seine Kritik trifft – und wo die Daten differenzierter sind.

Dieser Beitrag entstand mit KI-Unterstützung und wurde redaktionell geprüft.

Titelbild: KI-generiertes Bild

14-Jährige, die anderen Jugendlichen sinngemäß raten, beim „Stoffen“ nicht zu viel nachzudenken. 16-Jährige, die Peptid-Codes bewerben. Eine Social-Media-Welt, in der der Weg zum außergewöhnlichen Körper manchmal ähnlich einfach präsentiert wird, wie die Bestellung eines neuen Pre-Workouts. Die Zustände sind wild, wie man heute sagen würde.

BroSep stellt in seinem aktuellen Video deshalb eine ziemlich unangenehme Frage: Was ist aus der Fitnessszene geworden?

Seine Kritik richtet sich dabei weniger gegen eine einzelne Person als gegen eine Entwicklung. Leistungssteigernde Substanzen, experimentelle Peptide und andere PEDs würden in Teilen der jungen Fitness-Bubble zunehmend normalisiert. Besonders problematisch findet er, wenn aus vermeintlicher „Aufklärung“ eine Darstellung wird, bei der Risiken klein und Vorteile groß erscheinen – und am Ende womöglich noch ein Rabattcode danebensteht.

Der Grundgedanke verdient Aufmerksamkeit. Gerade weil man dafür nicht jeden Satz aus dem Video ungeprüft übernehmen muss. Denn bei einem der wichtigsten wissenschaftlichen Argumente, die BroSep anführt – einer großen Mortalitätsstudie mit mehr als 20.000 männlichen Bodybuilding-Athleten – ist seine Stoßrichtung nachvollziehbar, einige Details brauchen aber noch etwas Korrektur. Nichtsdestotrotz gibt es Anlass, darüber nachzudenken: Die Risiken müssen nicht übertrieben werden, um ernst genug zu sein.

BroSeps eigentliche Kritik ist größer als „Peptide sind gefährlich“

Wer das rund 26 Minuten lange Video nur auf die Frage reduziert, ob Peptide gefährlicher oder harmloser als anabole Steroide sind, verpasst den Kern. BroSep sagt ja bereits, dass „Peptid“ keine einheitliche Risikokategorie ist. Er grenzt zugelassene Peptidmedikamente ausdrücklich von den experimentellen Substanzen ab, über die in der Fitness-Bubble gesprochen wird, und weist darauf hin, dass auch klassische PEDs sehr unterschiedliche Risikoprofile besitzen.

Sein Problem ist also die Verschiebung der Normalität, und den Punkt kann man ihm durchaus geben.

Im Video spricht er von sehr jungen Nutzern, die auf TikTok und Instagram mit Substanzen, Stacks und Peptiden auftreten und damit wiederum ein noch jüngeres Publikum erreichen können. Ob tatsächlich eine große Zahl von 14-, 15- oder 16-Jährigen „mehr nimmt als Profis“, lässt sich aus seinen geschilderten Gesprächen mit Coaches nicht ableiten. Dafür wären belastbare Daten nötig. Hier bin ich lieber mal etwas skeptischer. Möglich wäre es allerdings. Als Beobachtung aus der Szene ist es auf jeden Fall ein Warnsignal – und die grundsätzliche Sorge, dass Social Media Einstellungen gegenüber leistungssteigernden Substanzen beeinflussen kann, ist, und ich denke, da sind wir uns alle einig, keineswegs aus der Luft gegriffen.

Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung mit 1.515 Jungen und Männern aus Kanada und den USA, die zuvor keine anabolen-androgenen Steroide verwendet hatten, fand Zusammenhänge zwischen intensiverer Social-Media-Nutzung und einer höheren Absicht, künftig Steroide zu verwenden. Besonders relevant waren die häufige Betrachtung muskelorientierter Inhalte, Social-Media-bezogene Körpervergleiche und problematische Nutzungsmuster (1). Eine weitere Studie aus derselben Forschungsgruppe fand 2025 bei 1.553 Jungen und Männern einen Zusammenhang zwischen häufigem Konsum von Inhalten über muskulöse Körper, Muskelaufbau-Supplements oder muskelaufbauender Medikamente und wahrscheinlicher Muskeldysmorphie (2).

Das sind Beobachtungsdaten. Mir ist bewusst, dass sie nicht beweisen, dass ein bestimmtes TikTok-Video einen Jugendlichen zu Steroiden bringt. Sie zeigen aber, wie unsinnig die Vorstellung ist, Social Media sei in dieser Debatte lediglich eine neutrale Informationsleitung. BroSep beschreibt ein reales Problemfeld. Wie groß es speziell in der deutschsprachigen Fitnessszene ist, können wir derzeit allerdings nicht seriös beziffern.

Wenn aus „Aufklärung“ plötzlich Verkaufsargumente werden

Ein Punkt aus dem Video ist aus meiner Sicht aber noch wichtiger als die ewige Diskussion darüber, ob ohne Social Media alles besser war: BroSep unterscheidet zwischen Aufklärung und Verharmlosung.

Diese Grenze ist tatsächlich entscheidend.

Über leistungssteigernde Substanzen zu sprechen, ist nicht automatisch problematisch. Im Gegenteil: Schweigen verhindert weder Steroidkonsum noch Peptidexperimente. Gute Aufklärung kann Risiken verständlicher machen, Mythen korrigieren und Menschen möglicherweise davon abhalten, ihre Entscheidungen auf Broscience und Telegram-Chats zu stützen. Trust me, bro, ist eben nicht immer die beste Quelle.

Nur besteht Aufklärung eben nicht darin, fünf Vorteile aufzuzählen, zwei unangenehme Nebenwirkungen als „manageable“ abzuhaken und anschließend zu erklären, wo das Produkt bestellt werden kann.

Gerade Social Media belohnt Vereinfachung. „Dieser Wirkstoff könnte unter bestimmten Bedingungen interessant sein, aber wir haben erhebliche Datenlücken und können langfristige Risiken derzeit nicht zuverlässig einschätzen“ ist fachlich eine vernünftige Aussage. Als 20-Sekunden-Clip ist sie ungefähr so sexy wie die Packungsbeilage eines der Stoffe, die in dieser Szene nur allzu gerne genutzt werden.

„Das ist der neue Geheimtipp für Fettverlust und Regeneration“ klingt zugegebenermaßen deutlich besser.

Dazu kommt ein Interessenkonflikt, den BroSep im Video ebenfalls anspricht.

Wer an einem Produkt, einer Klinik, einem Coaching oder einem Affiliate-Code verdient, kann trotzdem korrekte Informationen liefern. Ein finanzielles Interesse macht eine Aussage nicht automatisch falsch. Es ist aber ein guter Grund, genauer hinzuschauen, ob Risiken und Unsicherheiten denselben Raum bekommen wie die versprochenen Vorteile.

Bei Minderjährigen wird diese Verantwortung noch größer. Ein erwachsener Wettkampfbodybuilder, der sich nach jahrelanger Beschäftigung mit dem Thema für ein erhebliches gesundheitliches Risiko entscheidet, ist eine andere Situation als ein 15-Jähriger, dessen Vorstellung vom eigenen Körper gerade zwischen Schulhof, Gym und der For-You-Page gebaut wird.

Das Peptidproblem besteht nicht nur aus den Nebenwirkung

BroSep weist noch auf etwas hin, das in Diskussionen über Research Peptides mitunter leider erstaunlich schnell untergeht: Selbst eine perfekte Risikobewertung des Wirkstoffs hilft nur begrenzt, wenn nicht zuverlässig feststeht, was tatsächlich in dem gekauften Produkt steckt.

Wie relevant dieser Punkt ist, haben wir zuletzt ausführlich aufgearbeitet. In unserem Beitrag „Peptide im Trend 2026: Warum der aktuelle Hype kritisch hinterfragt werden sollte“ geht es um die wissenschaftlichen und regulatorischen Probleme des aktuellen Peptidbooms. Die Qualitätsfrage haben wir außerdem anhand der von Iron Mike veröffentlichten Laboranalysen in „Biolab unter Druck: Was hinter der aktuellen Peptid-Kontroverse steckt“ ausführlicher behandelt.

BroSep nennt im Video außerdem Paradigm Peptides. Der US-Anbieter ist ein besonders drastisches Beispiel dafür, warum ein professioneller Shop und ein Analysezertifikat noch keine pharmazeutische Qualitätskontrolle ersetzen. Betreiber Matthew Kawa wurde am 30. Juli 2026 zu 70 Monaten Bundesgefängnis verurteilt. Nach Angaben des US-Justizministeriums waren unter anderem Laborzertifikate gefälscht worden; mehrere als SARMs verkaufte Produkte enthielten bei Untersuchungen tatsächlich Testosteron (4). Den Fall haben wir in unserem Artikel zu Paradigm Peptides bereits separat aufgearbeitet.

Damit ist natürlich nicht bewiesen, dass irgendein beliebiger anderer Peptidshop falsche Ware verkauft. Der Fall zeigt uns allerdings: Auf einem nicht regulär kontrollierten Markt kann die Produktidentität selbst Teil des Risikos sein.

Der Faktencheck zur Bodybuilding-Mortalitätsstudie

Der wissenschaftlich spannendste Teil des Videos beginnt, als BroSep auf eine 2025 im European Heart Journal veröffentlichte Studie verweist. Diese untersuchte männliche Athleten, die zwischen 2005 und 2020 bei Wettkämpfen der International Federation of Bodybuilding and Fitness, also der guten alten IFBB, gestartet sind (5).

Hier lohnt sich Genauigkeit, weil im Video mehrere Kennzahlen ineinanderlaufen.

Die Forscher identifizierten 20.286 Athleten und verfolgten sie durchschnittlich 8,1 Jahre. Insgesamt wurden dabei 121 Todesfälle registriert. 46 davon wurden als plötzlicher Herztod eingestuft. Bei den verstorbenen Athleten mit plötzlichem Herztod lag das Durchschnittsalter bei 42,2 Jahren.

Bei Athleten, die zum Todeszeitpunkt beziehungsweise innerhalb des vorangegangenen Jahres noch aktiv an Wettkämpfen teilgenommen hatten, registrierten die Forscher elf plötzliche Herztodesfälle. Diese Gruppe war im Mittel 34,7 Jahre alt. Bei den 100 untersuchten Athleten, die in der offenen Mr.-Olympia-Kategorie gestartet waren, gab es sieben Todesfälle, darunter fünf bestätigte oder vermutete plötzliche Herztodesfälle; deren mittleres Alter lag bei 36,0 Jahren.

BroSeps Aussage von ungefähr 35 Jahren trifft damit eine reale Teilgruppe der Studie, nicht jedoch den Durchschnitt aller erfassten plötzlichen Herztodesfälle.

Abbildung zum Artikel: BroSep warnt vor Peptiden und PEDs bei Jugendlichen: Ist die Fitnessszene wirklich falsch abgebogen?
KI-generiertes Bild

Stimmt die Aussage vom „16-fach erhöhten Risiko“?

Im Kern: Ja, aber nur mit einer wichtigen Präzisierung.

Über den gesamten Beobachtungszeitraum lag die Inzidenz eines plötzlichen Herztods bei professionellen Bodybuildern bei 193,63 Fällen pro 100.000 Athletenjahre und bei Amateuren bei 11,84. Daraus ergibt sich eine Incidence-Rate-Ratio von 16,35.

Die Zahl „16-fach“ steht also tatsächlich in der Studie. Sie beschreibt allerdings den Vergleich professionelle gegen Amateur-Bodybuilder innerhalb dieser untersuchten IFBB‑Kohorte. Sie bedeutet nicht, dass jeder IFBB-Pro ein 16-fach höheres allgemeines Sterberisiko als ein durchschnittlicher Mensch hat.

Für die Gesamtsterblichkeit zeigte die Studie ebenfalls einen deutlichen Unterschied: 41 von 1.454 Profis starben während des Follow-ups gegenüber 80 von 18.832 Amateuren. Die Hazard-Ratio lag bei 5,23.

Schaut man nur auf aktuell aktive Wettkämpfer, fällt der Unterschied beim plötzlichen Herztod kleiner aus: rund 130 Fälle pro 100.000 Athletenjahre bei Profis gegenüber rund 20 bei Amateuren, entsprechend einer Rate-Ratio von etwa 6,4.

BroSep vermischt bei dem, was er sagt, teilweise diese verschiedenen Kennzahlen, das kann passieren. Seine zentrale Aussage – Profibodybuilder zeigten in dieser Untersuchung ein auffällig höheres Risiko für plötzlichen Herztod als Amateure – wird dennoch von den Daten getragen. Die genaue Zahl hängt aber davon ab, welche Analyse der Studie gemeint ist.

Beweist die Studie, dass „Stoff“ Bodybuilder früher sterben lässt?

Hier muss man BroSep deutlicher bremsen.

Die Studie ist insofern etwas wirklich Besonderes, als dass sie die einzige mir bekannte Studie ist, die eine sehr große internationale Bodybuilding-Kohorte systematisch auf Mortalität untersucht hat. Sie ist allerdings eine retrospektive Beobachtungsstudie und keine Untersuchung, in der dokumentierte Steroidkonsumenten mit vergleichbaren Natural-Athleten randomisiert oder sauber prospektiv gegenübergestellt wurden.

Die Autoren hatten nur begrenzte medizinische Daten zu den Todesfällen. Autopsieberichte lagen lediglich für fünf professionelle Athleten mit plötzlichem Herztod vor. Bei drei von fünf verfügbaren toxikologischen Untersuchungen wurden anabole-androgene Steroide nachgewiesen; für mindestens 16 weitere Athleten fanden die Forscher direkte Aussagen oder eine bekannte Vorgeschichte von PED-Missbrauch (5).

Man kann das zwar relevant nennen, es reicht aber nicht aus, um jeden registrierten Todesfall pharmakologisch einem bestimmten Steroid oder Stack zuzuschreiben.

Bodybuilding auf hohem Niveau bringt außerdem mehrere potenziell relevante Faktoren zusammen: Wettkampfdiäten, starke Gewichtsschwankungen, Dehydrierungsstrategien und selbstverständlich auch den Gebrauch leistungssteigernder Substanzen. Die Studie zeigt das Ergebnis dieses Gesamtpakets, kann die Beiträge der einzelnen Faktoren aber nicht sauber voneinander trennen.

Noch weniger lässt sich daraus die Behauptung ableiten, PED-Konsum koste pauschal „10 bis 20 Jahre Lebenszeit“. Das muss man aber auch nicht können, denn diese Zahl untersucht die Arbeit auch nicht. Das Risiko-Signal ist deutlich. Eine konkrete Verkürzung der Lebenserwartung durch „Stoff“ lässt sich aus diesen Daten allerdings nicht berechnen.

„Die besten Coaches und Ärzte bringen nichts“ – auch das geht zu weit

BroSep argumentiert sinngemäß, dass die höhere Mortalität der Profis uns deutlich zeigt, dass selbst die besten Coaches und Ärzte die Risiken, die mit dem Steroidkonsum einhergehen, nicht auffangen.

Die Intention ist nachvollziehbar und ich kann verstehen, woher der Gedanke kommt. Wissenschaftlich belegt wird das durch die Studie aber nicht.

Sie erfasste weder systematisch, welche Athleten medizinisch betreut wurden, noch wie gut diese Betreuung war, welche Blutwerte kontrolliert wurden, welche Substanzen verwendet oder wie konsequent gesundheitliche Empfehlungen umgesetzt wurden.

Aus dem Unterschied zwischen Profis und Amateuren kann deshalb nicht die Wirksamkeit ärztlicher Betreuung herausgerechnet werden.

Was man sagen kann: Professioneller Status war in dieser Kohorte kein Schutz vor dem erhöhten Mortalitäts- und Herztodsignal. Ob medizinische Betreuung das Risiko einzelner Athleten reduziert hat, lässt sich mit dem Studiendesign leider nicht beantworten.

Sind Peptide also „besser“ als Steroide?

Das Problem dabei ist Folgendes: Das Wort „Peptide“ umfasst extrem unterschiedliche Moleküle – von etablierten Arzneimitteln bis zu experimentellen Research-Chemicals mit dünner oder praktisch fehlender klinischer Langzeitevidenz.

Alle Peptide über einen Kamm zu scheren, wäre also ähnlich unsinnig wie, alle anabolen Substanzen unter einem einzigen Risikowert zusammenzufassen.

BroSep trifft deshalb einen guten Punkt, wenn er vor einer simplen Gleichung warnt, die viele im Kopf zu haben scheinen: Peptid = modern = harmlos.

Für zahlreiche Substanzen, die in der Fitness-Bubble kursieren, fehlen Langzeitdaten beim Menschen. Fehlende Daten bedeuten allerdings ebenfalls nicht automatisch, dass in 20 Jahren schwere Schäden auftreten werden. Die korrekte Aussage lautet: Wir wissen es teilweise schlicht nicht. Diese Unsicherheit ist bei einem freiwillig verwendeten Performance- oder Lifestyle-Wirkstoff selbst eben auch ein relevanter Teil der Risikoabwägung.

Hinzu kommt der Sportkontext. Die WADA führt anabole Wirkstoffe in Klasse S1 und zahlreiche Peptidhormone, Wachstumsfaktoren sowie verwandte Substanzen in Klasse S2 der 2026 geltenden Verbotsliste; nicht zugelassene pharmakologische Substanzen können zudem unter S0 fallen (6). „Peptid“ ist also auch im Anti-Doping-System keineswegs automatisch die harmlose Alternative zu klassischen PEDs.

Ist die Fitnessszene wirklich falsch abgebogen?

Vielleicht ist „die Fitnessszene“ dafür zu groß. Es gibt heute mehr evidenzbasierten Trainingscontent als wahrscheinlich jemals zuvor. Gute Coaches sprechen offen über Risiken. Natural Bodybuilding hat eine sichtbare Community. Gleichzeitig können Jugendliche innerhalb weniger Minuten von einem Trainingsclip zu Content gelangen, in dem pharmakologische Leistungssteigerung wie der logische nächste Schritt der Progression aussieht.

Genau darin steckt der Teil von BroSeps Kritik, den man nicht mit Nostalgie über die angeblich guten alten Fitnesszeiten abtun sollte. Das Problem ist in meinen Augen nicht, dass heute über PEDs gesprochen wird. Das Problem beginnt dort, wo uns Ausnahmeathleten und ihre Körper als normal verkauft werden. Wenn ein normal trainierter 17-Jähriger seinen Körper nicht mehr mit dem seiner Mitschüler vergleicht, sondern mit einer endlosen Auswahl Fitness-Influencer, die mit Steroiden nachhelfen und ihre Muskeln immer perfekt inszenieren, verändert sich der Maßstab in eine ungesunde Richtung.

Die Forschung zu Social Media kann bislang nicht beweisen, dass daraus zwangsläufig PED-Konsum entsteht. Sie zeigt aber Zusammenhänge zwischen muskelorientiertem Content, Körpervergleichen, Muskeldysmorphie und Steroidnutzungsabsichten (1, 2). Dazu braucht es keine moralische Panik. Es reicht, diese Richtung ernst zu nehmen und 1 und 1 zusammenzuzählen.

Meiner Meinung nach sollte die Fitnessbranche sich eine ziemlich einfache Frage stellen: Wenn sich Inhalte ausdrücklich an sehr junge Menschen richten, sollte dann wirklich jede Information, die Reichweite erzeugt oder ein Produkt verkauft, genauso behandelt werden wie Content für erwachsene Wettkampfathleten?

BroSeps Warnung funktioniert auch ohne Übertreibung

BroSeps Warnung, die er gegenüber der Normalisierung von PEDs unter Jugendlichen, der als Aufklärung verpackten Verharmlosung und dem blinden Vertrauen in den Research-Chemical-Markt ausspricht, ist absolut valide.

Wer Jugendliche von leichtfertigem PED-Konsum abhalten will, braucht keine Horrorzahlen, die eine Studie gar nicht hergibt. Die belegbaren Daten, die Unsicherheit bei experimentellen Substanzen, die Qualitätsprobleme des grauen Marktes und die Mechanismen von Social Media liefern bereits genügend Gründe, das Thema ernst zu nehmen.

Vielleicht ist die Fitnessszene also nicht komplett falsch abgebogen. Aber ein Teil von ihr hat aus „Was kann ich aus meinem Training herausholen?“ offenbar „Welche Substanz brauche ich als Nächstes?“ gemacht. Wenn diese Frage für dich normal klingt, lohnt es sich tatsächlich, noch einmal einen Schritt zurückzumachen und zu reflektieren, ob man als Einzelner eventuell falsch abgebogen ist.

FAQ

Was kritisiert BroSep an der aktuellen Fitnessszene?

BroSep kritisiert vor allem, dass leistungssteigernde Substanzen und experimentelle Peptide in Teilen der Social-Media-Fitnessszene zunehmend normalisiert und teilweise gegenüber sehr jungen Nutzern verharmlost würden. Er unterscheidet dabei ausdrücklich zwischen echter Aufklärung und einseitiger Darstellung von Vorteilen.

Haben professionelle Bodybuilder laut Studie wirklich ein 16-fach höheres Risiko?

In der 2025 veröffentlichten IFBB-Kohorte lag die Inzidenz des plötzlichen Herztods über den gesamten Beobachtungszeitraum bei Profis 16,35-mal so hoch wie bei Amateuren. Für aktuell aktive Athleten betrug sie dagegen etwa 6,4. Die 16-fach-Aussage ist deshalb nicht erfunden, muss aber auf die konkrete Analyse bezogen werden.

Beweist die Studie, dass Steroide die Ursache sind?

Nein. Die Untersuchung war retrospektiv und erfasste den PED-Gebrauch nicht bei allen Athleten systematisch. Sie zeigt ein starkes Risikosignal im professionellen Bodybuilding, kann aber nicht bestimmen, welcher Anteil davon auf anabole Steroide, andere PEDs oder weitere Faktoren des extremen Wettkampfbodybuildings zurückgeht.

Sind Research Peptides für Jugendliche harmloser als Steroide?

Eine pauschale Rangliste ist wissenschaftlich nicht sinnvoll. Peptide unterscheiden sich erheblich. Bei mehreren in der Fitnessszene verwendeten Research Chemicals fehlen belastbare Langzeitdaten beim Menschen; zusätzlich kann bei nicht regulär kontrollierten Produkten die tatsächliche Identität und Qualität ein eigenes Risiko darstellen.