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Dihydrotestosteron (DHT)-Suspensionen: Was der Stoff ist und warum er heikel ist

Eine Einordnung zu Dihydrotestosteron: Chemie, Wirkprinzip, frühere medizinische Nutzung, Nebenwirkungen und Rechtslage. Keine Einnahme- oder Kaufempfehlung.

Dihydrotestosteron (DHT) ist ein körpereigenes Androgen, das in Arzneiform reguliert und im Sport als Dopingmittel verboten ist. Eine zweckentfremdete Anwendung zum Muskel- oder Leistungsaufbau ist in Deutschland rechtlich heikel und gesundheitlich riskant; von einer Selbstanwendung wird abgeraten. Dieser Beitrag ordnet ein, was der Stoff chemisch ist, wie er wirkt und welche Nebenwirkungen beschrieben sind. Konkrete Dosierungs-, Mengen- oder Anwendungsangaben nennen wir bewusst nicht, da sich daraus eine Anleitung ableiten ließe.

Chemischer Name: 5-alpha-androstan-3-one-17beta

Summenformel: C19 H30 O2

Molekulargewicht: 290,44

Geschichte und Allgemeines

Im Jahr 1935 gelang erstmals die synthetische Herstellung von Dihydrotestosteron, welches das stärkste im menschlichen Körper vorkommende Androgen darstellt. In den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts brachte ein Pharmahersteller Dihydrotestosteron in Form des Medikaments Neodrol auf den Markt. Hierbei handelte es sich nicht um eine ölige Lösung, sondern um eine wässrige Suspension, in welcher der Wirkstoff in Form kleinster ungelöster Kristalle vorlag.

Bereits in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts verschwanden Dihydrotestosteron-Suspensionspräparate langsam wieder vom Markt, da es inzwischen effektivere Medikamente für dieselben Einsatzgebiete gab. Heutzutage gibt es kein Präparat mehr auf dem Markt, das Dihydrotestosteron in Form einer Suspension enthält.

Medizinischer Einsatzbereich

Im medizinischen Bereich wurde eine Dihydrotestosteron-Suspension historisch zum Zweck der Anregung der Proteinsynthese sowie im Rahmen der Brustkrebsbehandlung bei Frauen eingesetzt.

Struktur und Eigenschaften

Strukturell gesehen ist Dihydrotestosteron 5-alpha-reduziertes Testosteron, welches sich durch die fehlende Doppelbindung zwischen dem vierten und fünften Kohlenstoffatom von Testosteron unterscheidet. Dihydrotestosteron kommt im Körper natürlich vor und besitzt eine deutlich stärkere androgene Wirkung als Testosteron.

Bei einer Dihydrotestosteron-Suspension handelt es sich um eine wässrige Injektionslösung, in der kleine Dihydrotestosteron-Kristalle enthalten sind, die sich nicht auflösen, da kristallines Dihydrotestosteron nicht wasserlöslich ist. Im Muskel bilden diese Kristalle eine Art Depot, aus dem nach und nach Dihydrotestosteron in den Blutkreislauf abgegeben wird, während freies Dihydrotestosteron im Körper bereits nach wenigen Stunden vollständig verstoffwechselt wird.

Wirkung auf den Muskelaufbau

Trotz seiner starken Androgenwirkung und seiner hohen Affinität für den Androgenrezeptor besitzt Dihydrotestosteron im Muskelgewebe keine nennenswerte anabole Wirkung, da im Muskelgewebe hohe Konzentrationen des Enzyms 3-alpha-Hydroxysteroid-Dehydrogenase vorliegen und dieses Enzym Dihydrotestosteron verstoffwechselt, bevor es an den Androgenrezeptoren der Muskeln eine anabole Wirkung entfalten kann.

Historisch wird berichtet, dass Dihydrotestosteron in Form einer 17-alpha-alkylierten Darreichungsform im Rahmen des staatlichen ostdeutschen Dopingprogramms nach Oral-Turinabol zu den am häufigsten eingesetzten Steroiden gehörte (1). Beobachtet wurde dabei eine Steigerung von Schnelligkeit und Kraft, die auf Auswirkungen von Dihydrotestosteron auf das Nervensystem zurückgeführt wird. Ein effizienter arbeitendes Nervensystem kann zu einer besseren Rekrutierung der Muskelfasern beitragen. Passend dazu berichten Anwender von 5-alpha-Reduktase-Hemmern wie Finasterid von reduzierter Kraft, was damit zusammenhängen dürfte, dass solche Hemmer die körpereigenen Dihydrotestosteronspiegel senken.

DHT und Östrogen

Dihydrotestosteron kann im Körper nicht durch das Aromataseenzym in Östrogen umgewandelt werden. Darüber hinaus wird ihm eine gewisse Antiöstrogenwirkung zugeschrieben, da es an die Östrogenrezeptoren andocken und diese für Östrogen blockieren kann, ohne selbst eine Östrogenwirkung hervorzurufen (5). Weiterhin scheint Dihydrotestosteron die durch Östrogen in den Zellen ausgelöste RNA-Transkription zu hemmen, wodurch die Wirkung des Östrogens sinkt (6). Diese Antiöstrogenwirkung fällt in der Praxis deutlich schwächer aus als die entsprechende Wirkung klassischer Östrogenrezeptorblocker wie Tamoxifen.

In Studien wird Dihydrotestosteron zudem mit einer Förderung des Fettabbaus in Verbindung gebracht, da es die Aktivität fettspeichernder Enzyme reduziert, Lipolyse-anregende Faktoren verstärkt (7) und Faktoren heraufreguliert, die den Lebenszyklus von Fettzellen verkürzen können. Anders als Testosteron ist Dihydrotestosteron jedoch nicht dazu in der Lage, die Anzahl der Beta-Rezeptoren in den Fettzellen zu erhöhen (8).

Nebenwirkungen

Aufgrund seiner starken Androgenwirkung und der Tatsache, dass viele mit Testosteron in Verbindung stehende androgenbedingte Nebenwirkungen auf einer Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron beruhen, kann Dihydrotestosteron alle androgenbedingten Nebenwirkungen hervorrufen, die auch mit Testosteron in Verbindung gebracht werden. Hierzu gehören unter anderem eine gesteigerte Aggression, Akne, fettige Haut, eine Vergrößerung der Prostata, die Verschlimmerung eines bereits vorhandenen androgenbedingten Haarausfalls und Vermännlichungserscheinungen bei Frauen. Diesen Nebenwirkungen kann nicht mithilfe eines 5-alpha-Reduktase-Hemmers wie Finasterid entgegengewirkt werden, da Dihydrotestosteron bereits 5-alpha-reduziert ist.

Da Dihydrotestosteron im Körper nicht in Östrogen umgewandelt werden kann, ist nicht mit östrogenbedingten Nebenwirkungen wie Wassereinlagerungen, verstärktem Fettaufbau, erhöhtem Blutdruck oder der Entwicklung einer Gynäkomastie zu rechnen.

Anders als die meisten Steroide hemmt Dihydrotestosteron die körpereigene Testosteronproduktion nicht, da es keinen negativen Einfluss auf die Ausschüttung des LH-Hormons besitzt (2, 3) und diese sogar erhöhen kann (4). Das relativiert die Risiken einer zweckentfremdeten Anwendung jedoch nicht: Die genannten androgenbedingten Nebenwirkungen und die rechtlichen Folgen bleiben bestehen.

Verbreitung in der Szene

Im Bereich des Bodybuildings wurde eine Dihydrotestosteron-Suspension Berichten aus der Szene zufolge früher vor allem im Rahmen der Wettkampfvorbereitung diskutiert. Da Dihydrotestosteron in Form einer Suspension nicht mehr erhältlich ist, wird beschrieben, dass im Szene-Umfeld stattdessen auf verwandte Darreichungsformen wie Mestanolon oder Proviron zurückgegriffen wird. Dies ist eine Beschreibung des Phänomens, keine Empfehlung: Von einer Selbstanwendung wird ausdrücklich abgeraten.

Hinweis: Dieser Artikel ist eine journalistische Einordnung und keine Einnahme- oder Kaufempfehlung. Dihydrotestosteron-Präparate sind in Deutschland als Arzneimittel reguliert und im Sport als Dopingmittel verboten; Besitz und Handel können strafbar sein. Eine zweckentfremdete Anwendung kann auch kurzfristig zu ernsten Gesundheitsschäden führen. Von einer Selbstanwendung wird dringend abgeraten. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.

Quellen: W. W. Franke, B. Berendonk, Clinical Chemistry 43(7), 1997 · C. J. Scott et al., Endocrinology 138(9), 1997 · C. J. McManus et al., Biology of Reproduction, 2005 · G. Roca et al., Endocrine Research 27(1-2), 2001 · R. W. Casey, J. D. Wilson, Journal of Clinical Investigation 74(6), 1984 · T. T. Hung, W. E. Gibbons, Journal of Steroid Biochemistry 19(4), 1983 · C. Bolduc et al., Obesity 15(5), 2007 · X. Xu et al., Endocrinology 126(2), 1990 · J. M. Kuhn et al., Clinical Endocrinology 19(4), 1983.