Vier Wettkämpfe, kein einziges Top-5-Ergebnis und zwischendurch sogar der Rat, die Saison an dieser Stelle besser zu beenden: Tim Budesheims Wettkampfjahr 2026 läuft ziemlich weit an dem vorbei, was sich der deutsche Open-Pro vorgenommen hatte.
Die Menge der Muskeln ist, wie wir es von Tim kennen, kein Problem. Seit der Tampa Pro spricht Budesheim selbst allerdings immer wieder über seine Verdauung und eine Mittelpartie, die auf größere Mengen Kohlenhydrate offenbar anders reagiert als geplant.
Nach Platz zehn in Tampa, Platz neun in Atlanta und dem siebten Platz bei der Texas Pro hätte man deshalb durchaus erwarten können, dass damit die Saison erst einmal beendet ist. Genau dazu soll ihm nach seiner eigenen Darstellung sogar Head-Judge Tyler Manion geraten haben. Budesheim macht allerdings weiter: Die Austrian Oak ließ er aus, für die Europa Pro in Offenbach am 13. September hat er seinen Start angekündigt. Einen zusätzlichen Auftritt in Italien Anfang September hält er ebenfalls noch für möglich.
Das ist sportlich eine wirklich interessante Entscheidung. Denn der Mr. Olympia 2026 ist inzwischen vom Tisch. Es geht eher um die Frage, ob Budesheim innerhalb derselben Saison noch zeigen kann, dass sein aktuelles Problem tatsächlich aus der Welt geschafft werden kann.
Vier Shows, vier Ergebnisse unter den eigenen Erwartungen
Rein über die Platzierungen erzählt Budesheims Saison bisher eine ziemlich klare Geschichte. Beim Mr. Big Evolution Pro in Portugal begann er im Juli mit Platz sieben. Danach folgte die US-Tour, auf der es zunächst sogar noch weiter nach hinten ging.

Der zehnte Platz in Tampa war bis dahin eine der wohl schlechtesten Platzierungen seiner Profikarriere. Eine Woche später verbesserte er sich in Atlanta dann auf Rang neun und in Texas noch einmal auf Rang sieben. Das klingt zumindest nach einer kleinen Trendwende, lag aber weiterhin klar unter seinem erklärten Top-5-Ziel.
Gerade die Texas Pro dürfte noch einmal ein Dämpfer gewesen sein. Im Finale arbeitete sich Budesheim zwar noch etwas nach vorn, wurde von den Judges aber erneut nicht für den ersten Callout berücksichtigt. Wer den gesamten Wettkampf noch einmal einordnen möchte, findet in unserem Recap zur Texas Pro 2026 auch die Ergebnisse und die Geschichte hinter Patrick Moores überraschendem Sieg.
Das Bauchproblem ist komplizierter als „Bauch nicht eingezogen“
Im Bodybuilding wird bei einer auffälligen Mittelpartie schnell über fehlende Bauchkontrolle gesprochen. Bei Budesheim ist das zumindest nach seinen eigenen Erklärungen nicht der Grund für die aktuellen Probleme. Nach der Tampa Pro sagte er, Atmung und Kontrolle der Bauchmuskulatur seien gegenüber Portugal verbessert gewesen. Das Problem sei vielmehr gewesen, dass sich der Umfang seiner Taille durch das Carb-Loading sichtbar vergrößert habe. Budesheim führte das auf die Reaktion seines Verdauungstrakts zurück. Nach seiner Darstellung reagiert seine Mittelpartie derzeit selbst auf größere Mengen der Klassiker wie Reis oder Kartoffeln ungünstig. Er vermutete unter anderem eine mögliche Fehlbesiedlung des Darms.
Für eine Wettkampfvorbereitung ist das ein denkbar ungünstiges Problem. Genug Fülle in die Muskulatur zu bekommen, ohne gleichzeitig die Optik der Mittelpartie zu verschlechtern, ist auch so nicht immer einfach. Wenn man negativ auf die Carbs reagiert, erleichtert es einem das nicht. Nach Tampa reduzierte Budesheims Team deshalb die Kohlenhydratmenge und experimentierte weiter mit der Ladestrategie. Vor Texas ging man sogar noch einen Schritt weiter und verzichtete zeitweise auf fast alle Lebensmittel, um die Verdauung möglichst wenig zu belasten. Man kann über die Ursachen von außen viel spekulieren. Genau das passiert in der Bodybuilding-Bubble naturgemäß ohnehin. Für die sportliche Bewertung nützt das allerdings nichts und es reicht ohnehin die deutlich banalere Feststellung: Wenn die Taille auf der Bühne breiter wirkt, interessiert die Judges am Ende nicht, ob dafür Verdauung, Loading, strukturelle Voraussetzungen oder mehrere Faktoren gleichzeitig verantwortlich sind.
Der Rat der Judges war ziemlich eindeutig – Budesheim sieht es anders
Nach Texas bekam Budesheim nach eigener Darstellung Feedback von Head Judge Tyler Manion. Positiv: Seine generelle Form sei sehr gut gewesen. Als Baustellen seien weiterhin der Rücken und die Mittelpartie genannt worden. Wegen Letzterer habe Manion ihm sogar nahegelegt, die Saison möglicherweise zu beenden und das Problem erst einmal anzugehen. Das ist schon eine Ansage. Vor allem, weil Budesheim zu diesem Zeitpunkt bereits vier Shows in kurzer Folge absolviert hatte und seine Olympia-Qualifikation zunehmend unrealistisch geworden war. Für das Open Bodybuilding gilt 2026: Der Sieger eines Qualifikationswettkampfs löst das Ticket; die Qualifikationsperiode endet am 30. August. Die Austrian Oak am 22. und 23. August war die letzte Open-Show in diesem Zeitraum. Budesheim trat dort nicht an. Damit ist sein Weg zum Mr. Olympia 2026 zwar beendet, seine Wettkampfsaison aber ausdrücklich nicht.
Warum er die Austrian Oak ausgelassen hat
Dass Budesheim in Wien fehlte, war nach seiner Erklärung keine verspätete Einsicht nach dem Rat der Judges. Er wollte zunächst sehen, wie sein Körper auf die dicht aufeinanderfolgenden Wettkämpfe und die Rückreise aus den USA reagiert. Als sich anschließend zeigte, dass seine Form schnell wieder auf Wettkampfniveau kam, war es für eine Anmeldung bei der Austrian Oak aber leider bereits zu spät.
Das ist, finde ich, ein wichtiger Unterschied. Er pausierte also nicht, weil er die Saison abgebrochen hätte, sondern weil die Entscheidung gegen Wien gefallen war, bevor klar war, wie schnell er wieder bereit sein würde. Wenige Tage später machte er öffentlich deutlich, dass er weitermachen will. Fest eingeplant ist die Europa Pro am 13. September in Offenbach. Zusätzlich denkt Budesheim über die PROMUSCLE Italy Pro eine Woche zuvor nach; bestätigt ist dieser Start bislang nicht.
Ich verstehe, warum Budesheim noch einmal auf die Bühne will
Von außen lässt sich leicht sagen: vier mäßige Ergebnisse, Probleme mit der Mittelpartie, Olympia verpasst – ab in die Offseason. Und rein strategisch wäre das absolut nachvollziehbar. Budesheim selbst hat bereits angekündigt, nach der Saison ausreichend Regeneration einzuplanen und sich dann gezielt um seinen Verdauungstrakt zu kümmern. Trotzdem finde ich den Start in Offenbach nicht völlig irrational. Die Olympia-Qualifikation ist weg, also fällt ein Teil des unmittelbaren Ergebnisdrucks weg. Gleichzeitig bekommt er auf einer Pro-Bühne in Deutschland noch einmal echtes Feedback dazu, ob er Loading und Bauchkontrolle sichtbar besser in den Griff bekommt. Das ist deutlich aussagekräftiger als die hundertste Diskussion unter einem Instagram-Check-in, bei der fünf Leute innerhalb von drei Minuten sieben verschiedene Ferndiagnosen stellen.
Für Budesheim zählt jetzt vor allem, was er aus dieser Saison mitnimmt. Mehr Muskelmasse allein scheint die naheliegende Antwort derzeit jedenfalls nicht zu sein. Selbst das Feedback, das er nach Texas wiedergab, nannte neben der Mittelpartie zwar weiterhin den Rücken, empfahl aber gerade wegen des Bauchthemas zunächst eine Pause. Wenn Offenbach also nur zur fünften Wiederholung desselben Problems wird, hätte der zusätzliche Start sportlich wenig gelöst. Wenn er dort dagegen mit kontrollierterer Taille und einem stimmigeren Gesamtpaket steht, wäre das zumindest ein brauchbarer Schlusspunkt unter ein Jahr, das bisher hauptsächlich von Korrekturen zwischen den Shows geprägt war.
Budesheims Saison 2026 ist leider nicht gelaufen wie erhofft. Aber aufgeben will er die Saison trotzdem nicht. In Offenbach bekommt er am 13. September die nächste Gelegenheit, zu zeigen, ob sich dieses Durchziehen auszahlt – oder ob der von Budesheim wiedergegebene Rat Tyler Manions im Nachhinein doch der bessere gewesen wäre. Wir sind sehr gespannt und wünschen ihm nur das Beste.