Teslac (Wirkstoff Testolacton) ist ein verschreibungspflichtiges Medikament aus der Krebstherapie und in Deutschland kein frei verfügbares Mittel. Eine zweckentfremdete Einnahme zur Beeinflussung des Hormonhaushalts ist riskant und gehört in keinem Fall in die Selbstmedikation. Teslac ist ein non-selektiver, steroidaler Aromatase-Hemmer der ersten Generation, der klinisch zur Behandlung östrogenbedingter Formen von Brustkrebs verwendet wurde. Sein genauer Wirkungsmechanismus ist nicht vollständig geklärt. Man vermutet, dass Testolacton das Enzym Aromatase in einer nicht-kompetitiven und endgültigen Weise außer Funktion setzt. Falls dem so wäre, würde es dem Lentaron (Formestan) sehr ähnlich sein. Das würde erklären, warum nach Absetzen des Medikaments keine sofortige Erholung des Östrogenspiegels stattfindet. Wie beim Formestan braucht auch hier der Körper nach dem Ende der Einnahme mehrere Tage, um die normale Fähigkeit zur Östrogensynthese wiederherzustellen. In den meisten Fällen ist das in etwa die Zeitspanne, die der Körper braucht, um seine Enzymspiegel wieder aufzufüllen.
Steroid oder nicht?
Wenngleich Testolacton der chemischen Struktur nach technisch ein Steroid ist, hat es dennoch keinen anabolen oder androgenen Effekt beim Anwender. Immerhin verfügt es nicht über die Fähigkeit, sich an einen Rezeptor anzubinden und ihn zu aktivieren, namentlich an solche der 17-Beta-Hydroxyl-Gruppe. Tatsächlich besitzt Testolacton einen sechseckigen D-Ring und keinen fünfeckigen, wie Testosteron und seine Derivate. Daher hat es wahrscheinlich seinen Namen, der für Testosteron-Lacton stehen mag. Studien legen nahe, dass dieser steroide Wirkstoff bis zu einem gewissen Grade über anti-androgene Eigenschaften verfügt, die wahrscheinlich beim Wetteifern um die zellulären Androgenrezeptoren zu Tage treten. Ungeachtet dessen hat man Testolacton in den USA als anaboles/androgenes Steroid auf die Liste kontrollierter Substanzen gesetzt. In der Szene wird Testolacton von manchen Athleten und Bodybuildern berichtet nicht als Steroid genutzt, sondern als Mittel zur Milderung östrogenbedingter Nebenwirkungen bestimmter anaboler/androgener Steroide, ein zweckwidriger Einsatz, von dem ausdrücklich abzuraten ist.
Die Geschichte von Testolacton
Testolacton wurde 1974 erstmals als verschreibungspflichtiges Medikament in den USA zugelassen. Es war ein frühes Anti-Östrogen mit moderat hervortretendem Effekt. Das Niveau für hohen klinischen Erfolg hat es dabei allerdings nie erreicht. Als allmählich andere, effektivere Medikamente zur Behandlung von Brustkrebs erschienen, sah Teslac nicht mehr den Erfolg, den seine Entwickler geplant hatten. Dementsprechend hat man es nur in einer kleinen Anzahl von Ländern hergestellt. Seither wurde seine Produktion in fast allen Ländern eingestellt.
Keine Wirkung ohne Nebenwirkungen!
Häufige Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Einnahme von Aromatase-Hemmern sind: Hitzeschübe, Gelenkschmerzen, Schwäche, Erschöpfung, Stimmungsschwankungen, Depression, Bluthochdruck, Anschwellen der Arme und Beine und Kopfschmerzen.
Ein niedriger Östrogenspiegel kann zu Antriebsschwäche führen, da das Hormon im zentralen Nervensystem eine wichtige Rolle spielt. Aromatase-Hemmer können ebenso zur Verringerung der mineralischen Knochendichte führen. Osteoporose und eine verstärkte Neigung zu Knochenbrüchen sind dann die Folge. Bei einzelnen Anwendern kann es auch zu Störungen des Magen-Darm-Traktes wie Übelkeit und Erbrechen kommen.
Aromatase-Hemmer schädigen die Entwicklung des Ungeborenen im Mutterleib und sollten deshalb niemals während einer Schwangerschaft eingenommen werden. Wird ein solches Mittel von Männern außerhalb seiner medizinischen Indikation zur Östrogenminderung genutzt, kann es das Risiko kardiovaskulärer Erkrankung erhöhen, indem es den schützenden Effekt des Östrogens auf die Blutfettwerte zunichtemacht. Studien zeigten, dass bei der kombinierten Anwendung von aromatisierbaren Steroiden und Aromatase-Hemmern der HDL-Cholesterinspiegel (gutes Cholesterin) signifikant stärker sinkt.
Hinweis: Dieser Artikel ist eine journalistische Einordnung und keine Einnahme- oder Kaufempfehlung. Teslac (Testolacton) ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel und in Deutschland nicht frei verfügbar; eine zweckentfremdete Einnahme ist gesundheitlich riskant. Von einer Selbstmedikation wird abgeraten. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.
Quellen: FDA-Zulassungshistorie Testolacton (Teslac).