Einige Bodybuilder verwenden Wachstumshormone aufgrund ihrer muskelaufbauenden und fettabbauenden Wirkung. Manche ältere Erwachsene bewerben eine Wachstumshormon-Ersatztherapie aufgrund ihrer Auswirkungen auf die Lebensqualität, die Textur der Haut, die Körperkomposition, die sexuelle Leistungsfähigkeit und die Kraft als modernen Jungbrunnen. Diese Einordnung als „Jungbrunnen” ist allerdings ein Werbeversprechen und kein belegter medizinischer Befund. Niedrige Wachstumshormonspiegel werden bei älteren Erwachsenen mit Herzerkrankungen, Muskel- und Knochenabbau, Depressionen und frühzeitigem Tod in Verbindung gebracht; das ist zunächst eine Korrelation und kein Beweis einer Ursache. Wichtig zur Einordnung: Wachstumshormone sind in Deutschland verschreibungspflichtige Arzneimittel und gelten im Sport als Dopingmittel.
Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat Wachstumshormone nicht als Anti-Aging-Medikamente zugelassen. Viele Ärzte fürchten mögliche Langzeitnebenwirkungen und möchten zunächst Ergebnisse von groß angelegten, gut überwachten Studien sehen, bevor sie ihren Patienten Wachstumshormone verschreiben.
Eine über zehn Jahre andauernde schwedische Studie, in deren Rahmen ältere Probanden niedrige Dosierungen von Wachstumshormonen verabreicht bekamen, berichtete von positiven Auswirkungen auf Körperkomposition, Knochenmasse und stoffwechseltechnische Messwerte.
Eine fünf Jahre dauernde italienische Studie zeigte, dass eine niedrig dosierte Wachstumshormon-Ersatztherapie in der untersuchten Gruppe mit weniger Arteriosklerose (Verhärtung der Arterien) und Insulinresistenz einherging. Konkrete Dosierungsangaben nennen wir bewusst nicht, da sich daraus eine Anleitung ableiten ließe. Diese Studie war zudem schwer zu interpretieren, da die Patienten noch eine Reihe anderer Medikamente einnahmen, zu denen Testosteron und Schilddrüsenhormone gehörten.
Solche einzelnen Studien liefern allenfalls erste Langzeithinweise; sie sind kein Wirksamkeits- oder Sicherheitsnachweis für eine Wachstumshormon-Ersatztherapie bei älteren Erwachsenen, und genau deshalb steht die Verordnung in ärztlicher Hand.
Hinweis: Dieser Artikel ist eine journalistische Einordnung und keine Einnahme- oder Kaufempfehlung. Wachstumshormone sind in Deutschland verschreibungspflichtig, in den USA nicht als Anti-Aging-Mittel zugelassen und gelten im Sport als Dopingmittel. Von einer Selbstmedikation wird abgeraten. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.
Quellen: Journal Clinical Endocrinology and Metabolism, 92: 1442-1445, 2007 · Journal Clinical Endocrinology Metabolism, 93: 3416-3424, 2008.