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Forschung & Fakten

Was bewirkt Arimidex (Anastrozol) wirklich?

Anastrozol (Arimidex) ist ein verschreibungspflichtiger Aromatasehemmer aus der Brustkrebstherapie. Was über Wirkung und Nebenwirkungen bekannt ist, und warum eine Selbstanwendung heikel ist.

Arimidex (Wirkstoff Anastrozol) ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, das in der Medizin gegen Brustkrebs eingesetzt wird, nicht als Mittel rund um den Sport. Im Bodybuilding wird der Stoff zweckentfremdet, was rechtlich und gesundheitlich heikel ist. Von einer Selbstmedikation wird abgeraten.

Chemischer Name: 2-[3-(1-cyano-1-methyl-ethyl)- 5-(1H-1,2,4-triazol-1-ylmethyl)phenyl]- 2-methyl- propanenitrile

Summenformel: C17 H19 N5

Molekulargewicht: 293,4

Art der Zufuhr: oral

Geschichte und Allgemeines

Den Wirkstoff Anastrozol hat man Anfang der neunziger Jahre entwickelt. Bei Anastrozol handelte es sich um den ersten selektiven Aromatasehemmer der dritten Generation, der anders als der zuvor hauptsächlich eingesetzte Aromatasehemmer Orimeten (Aminoglutethimid) die Steroid Bildung in den Nebennieren nicht unterdrückt.

Mitte der neunziger Jahre wurde Anastrozol vom Pharmahersteller AstraZeneca unter dem Namen Arimidex auf den Markt gebracht. Das Präparat ist verschreibungspflichtig. Neben diesem offiziellen Präparat werden auch deutlich billigere Anastrozol-Präparate beworben, die meist aus so genannten Underground-Laboratorien stammen, deren Reinheit und Dosierung niemand kontrolliert.

Im Bereich der Medizin verwendet man Arimidex im Rahmen der Behandlung von Brustkrebs bei postmenopausalen Frauen, bei denen eine Therapie mit Östrogenrezeptorblockern wie Nolvadex (Tamoxifen) nicht anschlägt.

Eigenschaften

Arimidex ist ein Aromatasehemmer vom Typ II. Dies bedeutet, dass es mit Testosteron und anderen aromatisierenden Steroiden um ein Andocken an das Aromataseenzym konkurriert. Weil Arimidex eine sehr hohe Affinität für das Aromataseenzym aufweist, blockiert dieser Wirkstoff einen Großteil der Menge des vorhandenen Aromataseenzyms, so dass nur noch geringe Mengen dieses Enzyms zur Verfügung stehen, die Testosteron und andere Steroide in Östrogene umwandeln können. Im Gegensatz zu Östrogenrezeptorblockern, die lediglich die Wirkung des vorhandenen Östrogens hemmen, setzt Arimidex also eine Stufe früher an und reduziert bereits die Menge des Östrogens, das produziert wird.

Bei Frauen kann Arimidex je nach Dosierung die Aromatasewirkung um über 80 Prozent reduzieren, was bei postmenopausalen Frauen eine Reduzierung des Östrogenspiegels um über 95 Prozent zur Folge hat. Bei gesunden jungen Männern fällt die Senkung des Östrogenspiegels zwar etwas geringer aus, liegt aber immer noch im Bereich von gut 50 Prozent (1).

Die Gefahr nach dem Absetzen

Werden Aromatasehemmer über einen längeren Zeitraum angewandt, steuert der Körper der reduzierten Östrogenwirkung dadurch entgegen, dass er die Anzahl der Östrogenrezeptoren heraufreguliert. Dies hat zur Folge, dass es nach dem Absetzen zu einer Art Rebound Effekt kommen kann, der mit einer kurzzeitigen stärkeren Östrogenwirkung einhergeht. Hierbei gilt, dass dieser Rebound umso schwächer ausfällt, je länger die Halbwertszeit des verwendeten Aromatasehemmers ist.

Anders als häufig behauptet, können Aromatasehemmer auch östrogenbedingten Nebenwirkungen entgegenwirken. Besonders solche, die auf einer Progesteronwirkung von 19-Nor Steroiden wie Trenbolon oder Nandrolon beruhen. Immerhin verstärkt Progesteron die Wirkung von Östrogen lediglich und hat für sich alleine keine östrogenbedingten Nebenwirkungen.

Weitere Nebenwirkungen

Nebenwirkungen von Arimidex umfassen laut Beipackzettel des Herstellers Hitzewallungen, Schwächegefühle, Gelenkschmerzen, Depressionen, eine Erhöhung des Blutdrucks, Kopfschmerzen, Übelkeit und Verdauungsprobleme. Des Weiteren besitzen praktisch alle Aromatasehemmer einen negativen Einfluss auf das Verhältnis von gutem HDL zu schlechtem LDL Cholesterin. Schließlich ist Östrogen maßgeblich am Cholesterinstoffwechsel in der Leber beteiligt. Interessanterweise scheint diese Nebenwirkung bei Arimidex nur in relativ geringem Umfang aufzutreten (2).

Anwendungsbereiche

Im Bodybuilding wird Arimidex Beobachtungen zufolge sowohl während der Aufbauphase als auch während der Diät und Wettkampfvorbereitung zweckentfremdet. In der Regel soll damit östrogenbedingten Nebenwirkungen aromatisierender Steroide entgegengewirkt werden. Wassereinlagerungen, östrogenbedingtem Fettaufbau und der Entwicklung einer Gynäkomastie soll also vorgebeugt werden. In der Diät und Wettkampfvorbereitung wird Arimidex Berichten zufolge auch zum Fettabbau und zur Definition eingesetzt.

Falls bereits erste Symptome einer Gynäkomastie vorhanden sind, dauert es beim Einsatz eines Aromatasehemmers länger, bis diese Symptome wieder verschwinden. Dies liegt daran, dass Aromatasehemmer die Wirkung des bereits vorhandenen Östrogens nicht reduzieren. Deshalb dauert es bei einer Therapie mit einem Aromatasehemmer einige Zeit, bis man die maximale Reduzierung der Östrogenproduktion erreicht.

Beim Einsatz von Aromatasehemmern im Rahmen der Masseaufbauphase ist zu bedenken, dass Östrogen eine ganze Reihe positiver Auswirkungen auf den Aufbau besitzt. Dazu gehört unter anderem eine Heraufregulierung der Androgenrezeptoren, eine bessere Glukoseverwendung und eine Förderung der Wachstumshormonausschüttung. Somit können Aromatasehemmer den Masseaufbau spürbar reduzieren. Allerdings kommt dieser Effekt deutlich stärker zum Tragen als bei Östrogenrezeptorblockern wie Nolvadex (Tamoxifen).

Ein zweites häufig beobachtetes Einsatzgebiet von Arimidex besteht in der Förderung der Wiederherstellung der körpereigenen Testosteronproduktion nach dem Absetzen anaboler Steroide. Im Rahmen einer Studie hat man herausgefunden, dass Arimidex bei Männern die körpereigene Testosteronproduktion innerhalb von zehn Tagen um über 50 Prozent steigern kann.

Hinweis: Dieser Artikel ist eine journalistische Einordnung und keine Einnahme- oder Kaufempfehlung. Arimidex (Anastrozol) ist in Deutschland ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel und nur für die ärztlich indizierte Behandlung vorgesehen. Der zweckentfremdete Einsatz im Sport ist gesundheitlich riskant und rechtlich heikel; bereits Besitz und Handel nicht zugelassener Präparate können strafbar sein. Von einer Selbstmedikation wird abgeraten. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.

Quelle: Beipackzettel/Fachinformation Arimidex (AstraZeneca).