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Testosteronspiegel und Prostatakrebsrisiko: Mythos oder belegter Zusammenhang?

Eine Übersichtsarbeit von Harvard-Forscher Abraham Morgentaler hinterfragt die Annahme, dass Testosteron das Prostatakrebsrisiko erhöht, und führt sie auf eine Studie von 1941 zurück.

Testosteron ist in Deutschland ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel; eine Therapie kommt nur bei ärztlich diagnostiziertem Mangel infrage und gehört in ärztliche Hand. Die Anzahl der Verschreibungen für Testosteron ist seit dem Jahr 1999 dramatisch angestiegen. Niedrige Testosteronspiegel stehen mit einem erhöhten Risiko für Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Diabetes Typ 2, Muskel- und Knochenabbau, Depressionen, erektile Dysfunktion, reduzierte Libido und Alzheimer in Verbindung; dabei handelt es sich zunächst um Korrelationen, nicht um nachgewiesene Ursachen. Trotzdem zögern viele Mediziner, wenn es darum geht, Männern im mittleren oder gehobenen Alter Testosteron zu verschreiben, da sie aufgrund einer angenommenen Verbindung zwischen Testosteronspiegel und Prostatakrebs ein erhöhtes Risiko befürchten.

Dr. Abraham Morgentaler von der Harvard Medical School kam nach einer Studie der Fachliteratur zu der Schlussfolgerung, dass diese Annahme bezüglich des erhöhten Prostatakrebsrisikos auf eine Studie zurückgeführt werden kann, die im Jahr 1941 veröffentlicht wurde. Diese Studie zeigte, dass eine Kastration zu einer Verlangsamung des Krankheitsfortschrittes bei Prostatakrebs führte, während eine Testosteronsupplementation das Tumorwachstum beschleunigte. Seit damals konnte eine Anzahl weiterer Studien hingegen keine Verbindung zwischen Testosteronspiegel und Prostatakrebsrisiko nachweisen. Dr. Morgentaler kam zu der Schlussfolgerung, dass die Aufrechterhaltung dieses Mythos die Entwicklung wirksamer Behandlungsmethoden für diese Krankheit behindert hat.

Hinweis: Dieser Artikel ist eine journalistische Einordnung und keine Einnahme- oder Kaufempfehlung. Testosteron ist in Deutschland verschreibungspflichtig. Von einer Selbstmedikation wird abgeraten. Bei Verdacht auf einen Testosteronmangel oder Fragen zur Prostatagesundheit wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.

Quelle: European Urology, 50: 935-939, 2006.