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Forschung & Fakten

Machen hohe Testosteronspiegel gewalttätig?

Die Vorstellung vom Roid Rage durch Testosteron und Anabolika ist verbreitet. Was die Forschung über den Zusammenhang von Testosteron, Dominanz und Aggression sagt.

Anabole Steroide sind in Deutschland rechtlich reguliert und im Sport als Dopingmittel verboten; ihr Konsum ist mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden. Unabhängig davon hält sich rund um das Hormon ein hartnäckiger Mythos, den die Forschung relativiert.

Eine übliche Szene in modernen Sportfilmen wie „An jedem verdammten Sonntag“ ist die, in der der psychopathische Athlet aufgrund seines Roid Rage aus der Haut fährt und ausrastet. Ein einfacher, direkter Zusammenhang zwischen hohen Testosteronspiegeln beziehungsweise anabolen Steroiden und Gewalttätigkeit ist jedoch wissenschaftlich umstritten und gilt in dieser pauschalen Form als moderne Legende.

Laut eines Artikels von Christopher Mims, der im Scientific American veröffentlicht wurde, verursachen hohe Testosteronspiegel keine Gewalttätigkeit. Testosteron wird mit dem Drang nach Dominanz in Verbindung gebracht und hat nur eine geringe Verbindung zur Aggressivität. Im Gefängnis könnte das Streben nach Dominanz z. B. in einer gewalttätigen Konfrontation resultieren, während derselbe Drang in einer gehobenen Nachbarschaft dadurch zum Ausdruck gebracht werden könnte, dass man ein schöneres Auto fährt oder in einem ausgefalleneren Haus wohnt.

Studien bezüglich der sexuellen Anziehungskraft auf Frauen zeigen, dass diese sich zu Männern mit einem hohen Testosteronspiegel hingezogen fühlen (muskulöser Körper, dominante Einstellung usw.), jedoch deren mangelndes Engagement fürchten. Die Testosteronspiegel sind ein Produkt der Umwelt. Er steigt bei Boxern und Schachspielern, wenn sie gewinnen, und fällt, wenn sie verlieren. Testosteron spielt eine wichtige Rolle beim Aufbau sozialer Dominanz. In der Tierwelt kommt dies in Form von gewalttätigen Konfrontationen während der Paarungszeit zum Ausdruck. Bei Menschen spielt dieses Hormon bei der sozialen Hackordnung eine Rolle.

Hinweis: Dieser Artikel ist eine journalistische Einordnung und keine Einnahme- oder Kaufempfehlung. Anabole Steroide sind in Deutschland rechtlich reguliert, im Sport verboten und gesundheitlich riskant. Von einer Selbstanwendung wird abgeraten. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.

Quelle: ScientificAmerican.com, 5. Juli 2007 (Christopher Mims).