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Superdrol: Wie ein als Supplement verkauftes Prohormon zum Risikofall wurde

Die Geschichte von Superdrol (Methasteron): zwei Jahre legal verkauft, dann verboten. Was über Wirkung, schwere Nebenwirkungen und Rechtslage bekannt ist.

Methasteron, besser bekannt unter dem Handelsnamen Superdrol, ist heute ein Lehrstück dafür, wie ein als harmloses Nahrungsergänzungsmittel verkaufter Stoff zum gesundheitlichen Risikofall werden kann. Methasteron wirkt wie ein anaboles Steroid, ist als Arzneistoff einzuordnen und in Deutschland nicht als Lebensmittel oder Supplement zur Selbsteinnahme zugelassen; mit der Einnahme sind erhebliche Gesundheitsrisiken bis hin zu Leberschäden verbunden. Genau diese Geschichte zeigt, warum „legal erhältlich” nicht „sicher” bedeutet.

Viele der heute auf dem Markt erhältlichen Supplements sind nicht die versprochenen „Wunderpillen”, auf die viele hoffen. Nur ein Bruchteil davon hat überhaupt einen belegbaren Effekt auf Muskelaufbau oder Kraft. Anders war es 2004: Damals kam ein Produkt auf den Markt, das pharmakologisch deutlich potenter war als viele Steroide. Zwei Jahre lang dominierte es den Prohormon-Markt. Das Produkt hieß Superdrol, auch als „The Super Anadrol” beworben, und war zwei Jahre lang als legales Supplement erhältlich. Superdrol besteht hauptsächlich aus Methasteron (auch Methyldrostanolon), das als deutlich anaboler als Methyltestosteron beschrieben wird. In Anwenderberichten kursierten erhebliche Gewichtszunahmen je „Kur”, begleitet allerdings von schweren Nebenwirkungen.

Wie Superdrol auf den Markt kam

Auf den Markt gebracht wurde Superdrol von Matt Cahill, einem Schulabbrecher mit Vorstrafen und ohne Ausbildung in Chemie oder Pharmakologie. Cahill stieß auf die Substanz im Fachbuch „Androgens and Anabolic Agents”. Ursprünglich war der Wirkstoff 1956 von der Firma Syntex zur Bekämpfung von Tumoren entwickelt worden. Cahill bezog den Rohstoff, füllte ihn in Kapseln und verkaufte ihn unter dem Firmennamen Designer Supplements als Superdrol, ohne arzneimittelrechtliche Prüfung.

Als „potenter als Steroide” beworben

Die mit Superdrol berichteten Ergebnisse übertrafen die Erwartungen vieler Anwender. In den damaligen Internetforen kursierten teils drastische Vorher-Nachher-Bilder. Auch in der Bodybuilding-Szene wurde Superdrol neben Trenbolon als eine der potentesten muskelaufbauenden Substanzen gehandelt. Solche Erfahrungsberichte sind kein wissenschaftlicher Wirksamkeits- oder Sicherheitsnachweis und sagen nichts über das Risiko aus.

Schwere Nebenwirkungen

Viele Anwender gingen mit dem neuen Stoff nicht zimperlich um. Getreu dem Motto „viel hilft viel” wurde er über Wochen und Monate eingenommen, mit teils schwerwiegenden Folgen. Methasteron ist 17-alpha-methyliert und gilt damit als stark leberbelastend. Anwender berichteten über extreme Lethargie, erhöhten Blutdruck, Gynäkomastie, Wassereinlagerungen und sogar komplettes Leberversagen. In besonders schweren Fällen wurde von Lebertumoren berichtet. Trotz Hinweisen auf die Lebertoxizität von Methasteron blieb Superdrol zunächst legal erhältlich, ein Beleg dafür, dass eine Marktverfügbarkeit nichts über die Sicherheit aussagt.

Trotz der gravierenden Nebenwirkungen wurde Superdrol erst rund zwei Jahre später offiziell verboten. Das endgültige Verbot der damals erhältlichen Prohormone erfolgte in den USA 2014 (Designer Anabolic Steroid Control Act). Auf dem Schwarzmarkt ist Superdrol heute illegal weiterhin im Umlauf, was das Risiko nicht kleiner, sondern grösser macht: unkontrollierte Herkunft, Reinheit und Dosierung kommen zur ohnehin hohen Toxizität hinzu.

Hinweis: Dieser Artikel ist eine journalistische Einordnung und keine Einnahme- oder Kaufempfehlung. Superdrol (Methasteron) ist in Deutschland nicht als Lebensmittel oder Supplement zugelassen und als Arzneistoff bzw. Dopingmittel einzuordnen; Besitz und Handel können rechtliche Folgen haben. Von einer Selbstanwendung wird dringend abgeraten. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.

Quellen: Julius Vida, Androgens and Anabolic Agents · Fachberichterstattung zum US-Prohormon-Verbot (DASCA 2014).