Der Testosteronspiegel spielt gerade im Kraftsport eine wichtige Rolle. Vielen Bodybuildern gilt ein hoher Testowert als Voraussetzung dafür, sowohl sportlich als auch sexuell „erfolgreich” zu sein. Dabei gibt es einige Dinge, die nicht jeder über das gute „alte” Testosteron weiß. Wir haben ein paar interessante Studienbefunde zusammengetragen, mit dem nötigen Vorbehalt: Vieles davon sind Korrelationen oder Kurzzeit-Beobachtungen, keine Belege für eine sichere Ursache-Wirkung-Kette.
Schwermetalle und Testosteron
Wenn man bestimmten Metallen ausgesetzt ist, kann dies die Testosteronspiegel bei Männern beeinflussen. Wissenschaftler haben Metallkonzentrationen und die Spiegel reproduktiver Hormone in Blutproben von 219 Männern bestimmt. Sie fanden heraus, dass Cadmium, Kupfer und Blei alle signifikant oder wahrscheinlich mit den Testosteronspiegeln in Verbindung standen. Diese Resultate stimmten mit den Ergebnissen früherer Human- und Tierstudien überein. Molybdän wurde hingegen mit reduzierten Testosteronspiegeln in Verbindung gebracht.
Interessanterweise gab es eine positive Verbindung zwischen Zink und Testosteron. Außerdem wurde eine hohe Molybdänkonzentration bei Männern mit niedrigen Zinkspiegeln mit einer Reduzierung der Testosteronspiegel um 37 Prozent (relativ zum Durchschnittswert der Bevölkerung) in Verbindung gebracht. Das ist allerdings eine beobachtete Verbindung, kein Beweis. Eine ausgewogene, zinkreiche Ernährung gilt als sinnvoll; für gezielte Eingriffe in den Hormonhaushalt ist ärztlicher Rat der richtige Weg.
Man sieht sich selbst gewinnen
Aus der Forschung ist bekannt, dass die Testosteronkonzentrationen stark auf einen Wettstreit ansprechen und dass Gewinner im Vergleich zu Verlierern erhöhte Testosteronkonzentrationen aufweisen. Lässt sich ein ähnlicher Effekt schon dadurch auslösen, dass man anderen beim Wettstreit zusieht?
Im Rahmen zweier Studien untersuchten Wissenschaftler, in welchem Umfang Hockeyspieler eine Erhöhung der Testosteronkonzentrationen zeigten, nachdem sie sich selbst dabei zugesehen hatten, wie sie das letzte Spiel gewonnen haben. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass das Betrachten eines früheren Sieges die Testosteronkonzentrationen erhöhte (42 bis 44 Prozent Erhöhung), während das Betrachten einer früheren Niederlage oder eines neutralen Videos keine signifikanten Veränderungen zur Folge hatte (17 Prozent bzw. 6 Prozent). Ein interessanter Befund, der nahelegt, dass mentale Reize messbar in den Hormonhaushalt hineinwirken können.
Niedriges Testosteron und Gesundheit
Es gibt Hinweise, die darauf hindeuten, dass niedrige Testosteronspiegel mit mehreren weit verbreiteten männlichen Gesundheitsproblemen wie erektiler Dysfunktion, Osteoporose und Diabetes in Verbindung stehen. Das ist zunächst eine Korrelation und kein Beweis einer Ursache. Es gibt zudem viele Kurzzeitstudien, die Vorzüge einer Testosteron-Ersatztherapie bezüglich Körperkomposition, Knochenstoffwechsel, Insulinresistenz, sexueller Funktion und Lebensqualität gezeigt haben, allerdings überwiegend bei Männern mit nachgewiesenem Mangel und über kurze Zeiträume. Eine Testosteron-Ersatztherapie ist ein verschreibungspflichtiges Medikament und kommt nur bei einem ärztlich diagnostizierten Hypogonadismus (Unterfunktion der Hoden) infrage, nicht als Lifestyle- oder Anti-Aging-Mittel. Wer einen Verdacht auf einen Testosteronmangel hat, sollte das mit einer Ärztin oder einem Arzt abklären.
Der Duft der Frauen
Männer reagieren auf den „Geruch” von Frauen, und hierfür gibt es einen biologischen Grund. Wissenschaftler testeten, was mit Männern geschah, wenn sie an den T-Shirts von Frauen rochen. Männer rochen bei den vorliegenden Studien an den T-Shirts, die von Frauen in zeitlicher Nähe zum Eisprung oder in großem zeitlichem Abstand hiervon getragen wurden (Studie 1 und 2) oder an Kontroll-T-Shirts, die ungetragen waren (Studie 2). Männer, die dem Geruch von Frauen während des Eisprungs ausgesetzt wurden, wiesen höhere Testosteronspiegel auf als Männer, die dem Geruch einer Frau ohne Eisprung oder dem Kontrollgeruch ausgesetzt wurden. Es liegt also, im Wortsinn, etwas in der Luft: Auch olfaktorische Reize können den Hormonhaushalt kurzfristig verändern.
Hinweis: Dieser Artikel ist eine journalistische Einordnung und keine Einnahme- oder Kaufempfehlung. Eine Testosteron-Ersatztherapie ist in Deutschland verschreibungspflichtig. Von einer Selbstmedikation wird abgeraten. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.
Quellen: J. D. Meeker et al., Fertil Steril 93, 130 · J. M. Carre, S. K. Putnam, Psychoneuroendocrinology 35, 475 · T. Hugh Jones, Clin Endocrinol (Oxf) 72, 584 · S. L. Miller, J. K. Maner, Psychol Sci 21, 276.