Eine Beschneidung ist ein medizinischer Eingriff, über den eine Ärztin oder ein Arzt aufklären sollte; die Frage, ob er die sexuelle Empfindlichkeit verändert, wird häufig gestellt. In Afrika durchgeführte Studien zeigten, dass eine Beschneidung die AIDS-Rate um 60 Prozent senken kann. Viele Eltern lassen ihre Kinder jedoch nicht beschneiden, und Männer lassen diesen Eingriff als Erwachsene nicht durchführen, weil sie glauben, dass dieser eine reduzierte Empfindlichkeit während des Geschlechtsverkehrs verursachen kann.
Eine an der Bloomberg School of Health an der Johns Hopkins University mit fast 4.500 Männern aus Uganda durchgeführte Studie zeigte, dass 98 Prozent der beschnittenen Männer vom selben Grad an sexueller Befriedigung und Leistungsfähigkeit berichteten wie unbeschnittene Männer. Die Hälfte der Männer wurde als Erwachsene beschnitten und die anderen wurden über zwei Jahre nach der Beschneidung beobachtet. 6, 12 und 24 Monate nach dem Eingriff bestand kein Unterschied zwischen beschnittenen und unbeschnittenen Männern bezüglich sexueller Leistungsfähigkeit, Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs oder sexueller Befriedigung.
Eine andere Studie, die unter der Leitung von Kimberley Payne von amerikanischen und kanadischen Wissenschaftlern durchgeführt wurde, konnte keinen Unterschied bezüglich der Empfindlichkeit des Penis bei beschnittenen und unbeschnittenen Männern feststellen. Diese Studien deuten darauf hin, dass die allgemein verbreitete Meinung, der Penis unbeschnittener Männer sei empfindsamer, eher zu den modernen Legenden gehört. Nach diesen Daten hat eine Beschneidung keinen messbaren Einfluss auf die Empfindlichkeit des Penis während des Geschlechtsverkehrs und könnte das Risiko für eine Infektion mit sexuell übertragbaren Krankheiten reduzieren. Ob ein solcher Eingriff sinnvoll ist, ist eine individuelle, ärztlich zu klärende Entscheidung.
Hinweis: Dieser Artikel ist eine journalistische Einordnung und keine medizinische Empfehlung. Eine Beschneidung ist ein operativer Eingriff mit Nutzen und Risiken. Bei Fragen dazu wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.
Quellen: British Journal of Urology International, 101: 65-70, 2008 · Journal of Sexual Medicine, 4: 667-674, 2007.