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Forschung & Fakten

Abhängig von Steroiden: warum es selten bei einer Kur bleibt

Warum aus einer geplanten ersten Steroidkur oft eine Dauerschleife wird und welche psychischen und rechtlichen Risiken dahinterstecken.

Anabole Steroide sind in Deutschland überwiegend verschreibungspflichtige oder nicht zugelassene Arzneimittel; Besitz und Handel können nach dem Anti-Doping-Gesetz strafbar sein, und der Konsum ist mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden. Dieser Text beschreibt ein Phänomen, über das in der Szene selten gesprochen wird: dass es fast nie bei der einen, geplanten Kur bleibt.

Ein Cycle hier, eine Kur da, und irgendwann kommt man von Steroiden nicht mehr los. In diesem Artikel behandeln wir ein Thema rund um den Steroidkonsum, das oftmals kaum behandelt wird. Viele junge Sportler sagen zu sich „eine Kur, das reicht!”, jedoch ist dies fast nie der Fall. Viele machen während ihrer ersten Kur etwas „falsch” oder sind unzufrieden und springen sofort in die zweite, um die „Fehler” der Ersten auszubessern. Schnell sind jegliche Vorsätze über Bord geworfen, da man mit dem Endresultat nicht zufrieden war oder, schlimmer, sehr zufrieden. Denn machen wir uns nichts vor: die eigene Entwicklung im Spiegel zu sehen, insbesondere wenn diese rasch und stark ist, wird als sehr erfüllend beschrieben. Und somit ist es kein Wunder, dass der Wille nach konstanter Veränderung stärker wird.

„Bigorexia” Cycle: Sucht nach Veränderung

Erreicht man mit seiner ersten Kur nicht das gewünschte Ziel, wird die zweite nachgelegt. Erreicht man sein Ziel, ändert sich das Ziel und die nächste Kur wird angestrebt. Hier einen klaren Kopf zu bewahren und seine ursprüngliche Idee von nur „einer Kur und das reicht” vor Augen zu halten, gelingt nach Berichten aus der Szene fast nie. Genau diese Erkenntnis sollte jeder haben, der mit Steroiden anfangen will. Es bleibt nach diesen Schilderungen nie bei einer Kur, nie bei „nur” niedriger Dosis, nie bei den ursprünglichen Zielen.

Gerade das Thema „Bigorexia” (Muskeldysmorphie) ist mittlerweile bekannt. Nimmt man es ernst, wirken Steroide für manche Anwender wie eine abhängig machende Substanz: nicht körperlich, aber vor allem psychisch. Immerhin haben auch viele Profis Angst, ihre Dosis aus Gesundheitsgründen zu verringern, weil sie befürchten, ein paar Kilos Muskulatur zu verlieren. Diese Angst herrscht selbst bei Leuten, die nicht ihren Lebensunterhalt mit Bodybuilding finanzieren, sondern einfach nur gut aussehen wollen. Auch sie haben Angst, ihren „Look” nicht halten zu können.

Wer mit dem Gedanken spielt, sich der dunklen Seite des Bodybuildings zu widmen, sollte gerade diese Dinge im Kopf behalten. Nur wer sich klar macht, was alles in Mitleidenschaft gezogen wird, kann abwägen, ob es sich „lohnt”. In sehr vielen Fällen, so der Tenor erfahrener Stimmen, lohnt es sich nicht. Aber ob man sich dies eingestehen mag, ist eine andere Sache.

Die Hoffnung ist, dass man darüber mehr nachdenkt und nicht vorschnell in eine erste Kur „springt”.

Hinweis: Dieser Artikel ist eine journalistische Einordnung und keine Einnahme- oder Kaufempfehlung. Anabole Steroide sind in Deutschland überwiegend verschreibungspflichtige oder nicht zugelassene Arzneimittel und fallen unter das Arzneimittel- und Anti-Doping-Recht; Besitz und Handel können strafbar sein. Von einer Selbstmedikation wird abgeraten. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.

Quellen: AntiDopG (Anti-Doping-Gesetz), Deutschland.