Ein wahres Kämpferherz – Kevin Wolters Story

Menschen zu verlieren, die einem ans Herz gewachsen sind und mit denen man praktisch sein ganzes Leben teilt, gehört wohl mit zu dem schlimmsten Ereignissen im Leben eines jeden Menschen. Solch ein Schicksal durchzumachen und zu überstehen erfordert unglaublich viel Kraft. Nahezu übermenschlich müssen die Kräfte von Kevin Wolter von der Hardgainer Crew gewesen sein, gleich zwei Schicksalsschläge in seinem noch relativ jungen Leben durchleben zu müssen. Dabei sieht man dem stets gut aufgelegten Bodybuilder mit der typischen Berliner Schnauze seine bewegende Geschichte überhaupt nicht an. Nachdem Hardgainer-Kollege, Vito, Ende Juni seine Lebensgeschichte zum ersten Mal auf dem neuen YouTube-Channel „GodMode“ veröffentlichte, folgte gestern nun Kevin mit seiner Story.

 

„Nicht trainieren zu können, wäre der größte Verzicht in meinem Leben“

Zu Beginn des Videos erzählt Kevin wie er zum Krafttraining kam und welchen Stellenwert es in seinem Leben eingekommen hat. Schnell wird einem klar, dass Training für ihn so gut wie alles im Leben bedeutet. Nicht mehr trainieren zu können, würde für ihn wohl den größten Verzicht in seinem Leben darstellen, erzählt Kevin während er versucht sich dieses „Horrorszenario“ im Kopf auszumalen. Um seine Leidenschaft verstehen zu können, erzählt Kevin von seinem ersten Schicksalsschlag im Kindesalter. Für nahezu jedes Kind ist eine Trennung der beiden Elternteile alles andere als leicht zu verkraften. So auch für Wolter. Tonnen von Chips, literweise Cola und stundenlanges Zocken halfen ihm dabei den Trennungsschmerz seiner Eltern zu unterdrücken. Doch dieses Verhalten wirkte sich irgendwann negativ auf seine Gesundheit und sein Äußeres aus. Im Alter von nur 10 Jahren brachte der „Hardgainer“ über 100kg auf die Waage und litt unter Adipositas.

Von fetten zu muskulösen 100kg in nur zwei Jahren

Kevins Vater bekam die negative Entwicklung seines Sohnes mit und schickte ihn daraufhin zum Sport. Schließlich betrieb er damals selbst Bodybuilding und war Besitzer eines eigenen Fitnessstudios. Innerhalb von drei Jahren schaffte es Kevin schließlich wieder abzunehmen. Mit 13 Jahren entdeckte er die Leidenschaft für’s Krafttraining und fing im Gym seines Vaters an zu trainieren. Und das Bodybuilding schien bei dem Berliner richtig anzuschlagen. Im Alter von 15 Jahren brachte Kevin bereits relativ muskulöse 100kg auf die Waage. Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr wollte Wolter 2010 mehr aus sich und dem Sport herausholen und an Bodybuilding-Wettkämpfen. Noch im gleichen Jahr nahm Kevin bei der ostdeutschen Meisterschaft teil und gewann auf Anhieb den Meistertitel.

Vom Kleinkriminellen zum erwachsenen Mann

Obwohl Kevin Wolter nicht wirklich weiß, warum das Training für ihn alles in seinem Leben bedeutet, verdankt er diesem vor allem auch sein heutiges Leben. Dabei schien sein Leben zwischenzeitlich auf die komplett schiefe Bahn zu geraten. So stand er als Jugendlicher praktisch schon mit einem Bein im Jugendgefängnis, nachdem er bis zum 15. Lebensjahr 123 (!) Anzeigen kassiert hatte. Doch auch hier half ihm sein Vater ein weiteres Mal aus der Patsche, indem er einen Brief an das Bundesverteidigungsministerium mit der Bitte Kevin vorzeitig zum Bund schicken zu dürfen. Mit Ende 16 entging Wolter ganz knapp dem Gefängnisaufenthalt und war ab sofort bei der Bundeswehr.

Die schönste und gleichzeitig schmerzhafteste Zeit in Kevins Leben

Die Zeit beim Bund beschreibt Kevin als die schönste Zeit seines Lebens, da er sich dort zum ersten Mal vom Kleinkriminellen zum erwachsenen Mann entwickeln konnte. Gleichzeitig gibt er aber auch dazu, dass ihm während dieser Zeit auch viel von seiner Seele genommen wurde. Vor allem die Auslandseinsätze in Afghanistan und das dabei Erlebte brachten eine Menge psychischer Probleme mit sich, erzählt Kevin mit weit aufgerissenen, angsterfüllten Augen und Kloß im Hals. Vor allem die Tatsache, dass Kevin als Zugführer den Großteil seiner Kameraden während der Einsätze verlor, führte zu seelischen Schmerzen, mit denen er heute noch zu kämpfen hat. Doch auch in diesen schweren Zeiten behielt Kevin sein geliebtes Training bei, welches er nach seiner Zeit bei der Bundeswehr 2010 auf die nächste Stufe katapultierte.

Der Rest ist Geschichte. Mit seiner wirklich bewegenden und zu Tränen rührenden Geschichte zeigt Kevin Wolter, welch weicher und gebrechlicher Kern in einer nach Außen hin wirkenden Schale sitzen kann. Gleichzeitig ist Kevin der lebenden Beweis, dass jeder Mensch selbst die härtesten Schicksalsschläge in seinem Leben überwinden kann, wenn er an sich glaubt und etwas hat, dass ihn vorantreibt. Kevins Vater ließ ihn immer an sich glauben und die Leidenschaft in sich entdecken, die ihm schließlich das Leben rettete – sein Training.

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